Drei rosarote Fleischtomaten 'Berner Rose' an einer Stabtomate, mit Schnur an einen Holzpfahl gebunden

Tomate 'Berner Rose': Sortenporträt der Schweizer Fleischtomate

Mark Breyer

'Berner Rose' ist eine samenfeste Fleischtomate aus der Schweiz: große, rosarote Früchte mit dünner Schale und zartschmelzendem Fruchtfleisch, gezüchtet 1946 in Bremgarten bei Bern. Die Stabtomate wird bis zu zwei Meter hoch, wird von Februar bis April auf der Fensterbank vorgezogen und trägt vom Sommer bis in den Herbst. In diesem Porträt erfährst du, woher die Tomate kommt, was über die Sorte belegt ist, wie der Anbau gelingt und wie du eigenes Saatgut gewinnst.

Botanischer Name Solanum lycopersicum
Art / Familie Tomate, Fleischtomate / Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Aussaat (Vorkultur) Februar bis April in Anzuchtschalen
Keimtemperatur Optimal 20–22 °C, Keimung ab 18 °C
Pflanzung ins Freiland Ab Mitte Mai nach den Eisheiligen
Ernte Sommer bis Herbst
Standort Sonnig, warm und windgeschützt
Abstand 80 × 60 cm
Saattiefe 0,5–1 cm, leicht bedecken
Wuchshöhe 1,50–2,00 m (Stabtomate)
Samenfest ja
Bio aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006)

Woher die Tomate kommt: von den Anden nach Europa

Die Tomate gehört zu den Nachtschattengewächsen und ist eng mit der Kartoffel verwandt: Beide stehen in der Gattung Solanum. Carl von Linné gab ihr 1753 den Namen Solanum lycopersicum. Die wilden Verwandten der Tomate wachsen im Westen Südamerikas, laut Wikipedia von Nordchile bis Venezuela. Als wahrscheinlicher Wildvorfahr unserer Kulturtomate gilt die kleinfrüchtige, rote Johannisbeertomate Solanum pimpinellifolium.

Wo und wann aus der Wildpflanze eine Kulturpflanze wurde, ist nicht abschließend geklärt. Ein Teil der Fachleute hält das westliche Südamerika für wahrscheinlich, andere Mittelamerika. Als erste domestizierte Form gilt eine Kirschtomate, aus der später die großfrüchtigen Sorten hervorgingen. Sicher ist: In Mexiko war die Tomate längst eine Kulturpflanze, als die Spanier kamen. Die Azteken bauten mehrere Sorten an und nannten die roten Früchte xītomatl. Von diesem Wort in der Nahuatl-Sprache leitet sich unser Name „Tomate“ ab.

Nach der Eroberung Tenochtitlans 1521 gelangte die Pflanze rasch nach Europa. Schon 1544 beschrieb der italienische Arzt und Botaniker Pietro Andrea Mattioli in seinem Kräuterbuch die Frucht, zunächst als gelb. Zehn Jahre später berichtete er auch von roten Früchten und nannte sie pomi d'oro, „goldene Äpfel“. Außerhalb Südeuropas pflanzte man die Tomate lange vor allem als Zierpflanze. Weil sie als Nachtschattengewächs erkennbar war, hielt man die Früchte für ungenießbar oder sogar giftig.

Aus dieser Zeit stammen Namen wie Liebesapfel, Goldapfel und Paradiesapfel. In Österreich und Südtirol heißt die Tomate bis heute „Paradeiser“. In Deutschland blieb sie lange eine Rarität: Zu den frühen Besitzern gehörte der Torgauer Apotheker Joachim Kreich, der 1543 einen botanischen Garten gründete. Als Lebensmittel war die Tomate in Deutschland erst um 1900 allgemein bekannt, zunächst vor allem im Süden.

Junge Tomatensämlinge in einer Anzuchtschale und in Tontöpfen auf einer hellen Fensterbank
Vorkultur auf der Fensterbank: Laut Tüte wird 'Berner Rose' von Februar bis April in Anzuchtschalen ausgesät und nach den Keimblättern einzeln pikiert.

Die Sorte 'Berner Rose': eine Schweizer Züchtung von 1946

Über viele alte Tomatensorten weiß man wenig. Bei 'Berner Rose' ist die Geschichte erstaunlich gut dokumentiert, vor allem dank der Schweizer Erhaltungsorganisation ProSpecieRara. Danach züchtete der Gärtner Werner Trojahn die Sorte 1946 in Bremgarten bei Bern. Zusammen mit seiner Frau Rosa führte er dort die Gärtnerei Lindenweg. Schon 1948 stand die Sorte im Katalog des Basler Saatguthauses Haubensak, beschrieben als „Neuheit, grosse, karminrote, sehr fleischige Tomate“.

Woher der Name kommt, ist nicht eindeutig überliefert. Der Bezug zu Bern liegt nahe. Möglich ist aber auch, dass Rosa Trojahn Patin stand; selbst der Sohn des Züchters kann darüber nur mutmaßen. Ebenfalls nicht überliefert ist, aus welchen Elternsorten Werner Trojahn die 'Berner Rose' entwickelt hat. In Frankreich ist sie als 'Rose de Berne' verbreitet.

Vom Gärtnereibetrieb in die Genbanken

Als die Gärtnerei Trojahn in den 1950er-Jahren schließen musste, ging das Saatgut an eine andere Schweizer Traditionsgärtnerei. Das Saatguthaus Haubensak gab 1952 Samen an die deutsche Genbank in Gatersleben ab, eine weitere Linie gelangte in niederländische Genbanken. So verbreitete sich die Sorte weit über die Schweiz hinaus. ProSpecieRara selbst erhielt die 'Berner Rose' 2002 von einer langjährigen Erhalterin.

Die weite Verbreitung hat eine Kehrseite. Über Jahrzehnte wurde die Sorte an vielen Orten getrennt vermehrt, und es entstanden Linien, die sich voneinander unterscheiden. ProSpecieRara berichtet von Stimmen, die 'Berner Rose' habe ihren typischen Charakter verloren. Im August 2024 verkostete die Organisation deshalb zehn verschiedene Linien, gemeinsam mit Christian Trojahn, dem Sohn des Züchters. Die drei besten Linien zeigten laut ProSpecieRara „eine leichte, erfrischende Säure im Abgang, ein hervorragendes Aroma und eine äusserst zarte Haut“. Für dich als Gärtnerin oder Gärtner zeigt das: Eine samenfeste Sorte lebt davon, dass sie sorgfältig und sortentypisch weitervermehrt wird.

Rosarote Fleischtomaten 'Berner Rose', ganz und halbiert, auf einem Holzbrett mit Tomatenlaub
Rosarot, fleischig und dünnschalig: So beschrieb schon der Saatgutkatalog von 1948 die damals neue Sorte als „grosse, karminrote, sehr fleischige Tomate“.

Tomate 'Berner Rose' anbauen: Schritt für Schritt

Wer das Gartenjahr plant, sollte die Tomaten früh einplanen: 'Berner Rose' braucht einen Vorsprung auf der Fensterbank, einen sonnigen Platz und genug Raum zum Wachsen.

Aussaat und Anzucht

Laut Tüte säst du von Februar bis April in Anzuchtschalen aus. Ein früher Termin lohnt sich nur, wenn du einen sehr hellen Platz hast. Bei Lichtmangel werden die Sämlinge lang und dünn, dann ist eine Aussaat im März oft die bessere Wahl. Bedecke die Samen 0,5 bis 1 cm hoch mit Anzuchterde und halte sie gleichmäßig feucht. Optimal für die Keimung sind 20 bis 22 °C, ab 18 °C keimen die Samen. Nach etwa 8 bis 10 Tagen erscheinen die Keimblätter.

Sobald die Keimblätter entfaltet sind, pikierst du die Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe. Setz sie dabei ruhig etwas tiefer als vorher, Tomaten bilden am Stängel zusätzliche Wurzeln. Danach kultivierst du sie laut Produktbeschreibung etwas kühler bei etwa 16 bis 20 °C weiter. So wachsen sie gedrungener und kräftiger.

Auspflanzen

Ins Freiland dürfen die Jungpflanzen erst ab Mitte Mai nach den Eisheiligen, denn Tomaten vertragen keinen Frost und mögen auch kalte Nächte nicht. Härte sie vorher ab: Stell sie ein bis zwei Wochen lang tagsüber nach draußen und hol sie abends wieder herein. Der Standort sollte sonnig, warm und windgeschützt sein, der Boden tiefgründig, locker und humusreich. Ein Platz unter einem Dachvorsprung oder im Tomatenhaus hält die Blätter bei Regen trocken; das beugt der Kraut- und Braunfäule vor. Plane großzügig: Der Pflanzabstand beträgt 80 × 60 cm.

Reihe hoher Tomatenpflanzen an Holzstäben mit vielen rosaroten Früchten im gemulchten Beet
Ein Trieb, ein Stab: Ausgegeizt und regelmäßig aufgebunden reifen die großen Früchte der bis zu zwei Meter hohen Stabtomate gut aus.

Pflege: stützen, ausgeizen, düngen

'Berner Rose' wächst unbegrenzt weiter und wird 1,50 bis 2,00 Meter hoch. Sie braucht deshalb von Anfang an einen stabilen Stab, eine Spirale oder ein Stützgerüst. Binde den Haupttrieb regelmäßig locker an. In den Blattachseln bilden sich ständig Seitentriebe, sogenannte Geiztriebe. Brich sie aus, solange sie klein sind, und zieh die Pflanze an einem Trieb. So reifen die großen Früchte besser aus, und die Pflanze bleibt luftig.

Als Mittel- bis Starkzehrer braucht die Tomate regelmäßig Nährstoffe, etwa reifen Kompost beim Pflanzen und später organischen Dünger. Gieß gleichmäßig und direkt an der Basis, nicht über die Blätter, und vermeide Staunässe. Starke Schwankungen zwischen trocken und nass können dazu führen, dass die dünnschaligen Früchte aufplatzen.

Ernte und Nachreifen

Geerntet wird laut Tüte vom Sommer bis in den Herbst. Reif ist eine Frucht, wenn sie rundum rosarot gefärbt ist und auf leichten Druck etwas nachgibt. Weil die Schale dünn ist, erntest du am besten vorsichtig mit Stiel und lagerst die Früchte nebeneinander, nicht gestapelt. Kommt der Herbst früh, schneidest du die letzten noch grünen Früchte ab und lässt sie im Zimmer nachreifen. Kühlschrank mögen Tomaten nicht: Bei Zimmertemperatur behalten sie ihr Aroma besser.

Wie du Tomaten im Kübel auf Balkon oder Terrasse ziehst und welche Kräuter dazu passen, zeigt unser Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen. Für die große 'Berner Rose' brauchst du dort ein Gefäß mit reichlich Erde und einen festen Stab.

Tomatensamen selbst gewinnen

'Berner Rose' ist samenfest. Aus den Samen deiner Früchte wachsen also wieder Pflanzen mit den Eigenschaften der Sorte, wenn sie sich nicht mit anderen Tomaten verkreuzt haben. Was hinter dem Begriff steckt, erklären wir ausführlich im Beitrag Was bedeutet samenfest?. Tomaten gehören zu den einfachsten Gemüsen für den Einstieg in die eigene Saatgutgewinnung.

Bestäubung und Verkreuzung

Tomatenblüten sind zwittrig. Die Staubbeutel bilden einen Kegel, der die Narbe umschließt, und der Blütenaufbau fördert die Selbstbefruchtung. Wind und Insekten, vor allem Hummeln, schütteln den Pollen aus. Verkreuzungen zwischen Sorten sind deshalb eher selten, kommen aber vor. Die Erhaltungsorganisation ARCHE NOAH weist darauf hin, dass gerade Fleischtomaten manchmal „offene“ Blüten haben: Der Griffel ragt aus dem Staubbeutelkegel heraus, und Fremdpollen kann leichter auf die Narbe gelangen.

Einen großen Isolationsabstand brauchst du im Hausgarten trotzdem nicht. Es genügt, wenn keine andere Tomatensorte direkt neben deinen Saatgutpflanzen blüht. Wer mehrere Sorten zieht, pflanzt sie am besten in getrennten Gruppen und nimmt die Samen von Pflanzen aus der Mitte. ARCHE NOAH empfiehlt für kleine Mengen, mindestens 6 bis 12 Pflanzen einer Sorte anzubauen, damit die Sorte in ihrer Vielfalt erhalten bleibt. Wähl als Samenträger kräftige Pflanzen ohne Krankheitsanzeichen, deren Früchte typisch für 'Berner Rose' sind.

Ernte, Fermentation und Trocknung

  1. Vollreif ernten: Nimm die Samen aus vollreifen, auch leicht überreifen Früchten. Die Samen sind in eine gelartige Hülle eingebettet, die die Keimung in der Frucht verhindert.
  2. Auslöffeln: Schneide die Frucht quer auf und löffle Samen samt Gel in ein Glas. Das Fruchtfleisch kannst du weiter verwenden.
  3. Fermentieren: Lass die Samenmasse bei mindestens 20 °C ein bis drei Tage stehen. Es setzt eine Gärung ein, die die Gelhülle löst; oben kann sich ein heller Belag bilden.
  4. Auswaschen: Füll das Glas mit Wasser auf. Volle Samen sinken nach unten, Fruchtreste und leere Samen schwimmen oben. Gieß das Wasser vorsichtig ab und wiederhole das, bis nur saubere Samen übrig sind. Zum Schluss im Sieb abspülen.
  5. Trocknen: Verteile die Samen sofort dünn auf Backpapier oder einem Kaffeefilter und lass sie an einem luftigen, warmen Ort trocknen. Danach zwischen den Fingern voneinander lösen.
  6. Lagern: Trocken, kühl und dunkel in einem beschrifteten Papiertütchen mit Sorte und Jahr.

Tomatensamen gehören zu den langlebigeren Gemüsesamen. Eine Richtwerttabelle von ARCHE NOAH führt sie mit einer sehr langen Haltbarkeit; bei trockener, kühler Lagerung bleiben sie viele Jahre keimfähig. Bist du unsicher, mach vor der Aussaat einen kleinen Keimtest auf feuchtem Küchenpapier: Bei Zimmerwärme zeigen sich die ersten Keimlinge nach etwa fünf Tagen.

'Berner Rose' in der Küche

Der Genuss-Tipp von unserer Tüte ist kurz: Purer Genuss ist hier Trumpf. 'Berner Rose' schmeckt am besten roh, mit etwas Meersalz und gutem Olivenöl. Schneide die Tomate dafür in dicke Scheiben, leg sie auf einen Teller, streu ein paar Salzflocken darüber und träufle das Öl erst kurz vor dem Servieren darauf. Wer mag, gibt frisches Basilikum oder etwas frisch gemahlenen Pfeffer dazu. Ein Stück Brot zum Auftunken genügt als Beilage.

Durch das zarte Fruchtfleisch und die dünne Schale eignet sich die Sorte auch für Salate, Bruschetta und Brote. Zum Kochen sind die Früchte fast zu schade, aber natürlich gelingen damit auch Suppen, Soßen und Säfte, besonders wenn im Spätsommer mehr Tomaten reifen, als du frisch essen kannst. Bewahre reife Früchte bei Zimmertemperatur auf und schneide sie erst kurz vor dem Essen an.

Gut zu wissen: Blätter, Stängel und unreife grüne Früchte der Tomate sind nicht zum Verzehr geeignet.

Dicke Scheiben einer rosaroten Tomate mit Meersalzflocken und Olivenöl auf einem hellen Teller
Genuss-Tipp von der Tüte: 'Berner Rose' roh in dicken Scheiben, nur mit etwas Meersalz und gutem Olivenöl.

Häufige Fragen zur Tomate 'Berner Rose'

Wann sät man 'Berner Rose' aus?

Laut Tüte von Februar bis April, und zwar in Anzuchtschalen im Haus. Ohne sehr hellen Platz ist eine Aussaat ab März sinnvoll, damit die Pflanzen bis zum Auspflanzen ab Mitte Mai nicht vergeilen.

Wie hoch wird die 'Berner Rose'?

Sie ist eine Stabtomate mit unbegrenztem Wuchs und wird laut Tüte 1,50 bis 2,00 Meter hoch. Sie braucht deshalb einen stabilen Stab oder ein Gerüst und einen Pflanzabstand von 80 × 60 cm.

Muss man die 'Berner Rose' ausgeizen?

Ja. Brich die Seitentriebe in den Blattachseln regelmäßig aus, solange sie klein sind, und zieh die Pflanze an einem Haupttrieb. So reifen die großen Früchte besser aus und die Blätter trocknen nach Regen schneller ab.

Ist die 'Berner Rose' samenfest?

Ja. Es ist eine alte, samenfeste Sorte, gezüchtet 1946 in der Schweiz. Aus den Samen deiner eigenen Früchte kannst du die Sorte weitervermehren, wenn keine andere Tomatensorte direkt daneben geblüht hat.

Kann man die 'Berner Rose' im Kübel ziehen?

Das geht, wenn das Gefäß groß genug ist und die Pflanze einen festen Stab bekommt. Wichtig sind ein sonniger, warmer und windgeschützter Platz, regelmäßiges Gießen und Düngen. Unter einem Dachvorsprung bleiben die Blätter bei Regen trocken.

Warum platzen die Früchte auf?

Die dünne Schale macht 'Berner Rose' zart, aber auch empfindlich. Aufplatzen hat oft mit ungleichmäßiger Wasserversorgung zu tun, etwa wenn auf eine Trockenphase starker Regen folgt. Gleichmäßiges Gießen und eine Mulchschicht helfen, und reife Früchte erntest du am besten zügig.

Wo es 'Berner Rose' gibt

Unsere Bio-Tomate 'Berner Rose' gibt es als Tüte mit etwa 20 Samen aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006), BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt außerdem in mehreren unserer Sets: im Mediterran-Set mit Basilikum und Chili, im Salatgarten-Set, im Naschgarten-Set, im Balkon- und Fensterbank-Set und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Bestandssorten. Weitere Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, alle Sortenporträts im Sortenlexikon.

Quellen

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