Chilipflanze 'De Cayenne' im Tontopf mit vielen langen, schlanken Schoten in Grün, Orange und Rot

Chili aussäen: 'De Cayenne' braucht die längste Vorkultur

Mark Breyer

'De Cayenne' ist eine Chili vom Cayenne-Typ: schlanke, etwa 10 cm lange Schoten, die von kräftigem Grün zu leuchtendem Rot abreifen, mittelscharf bis scharf und gut zum Trocknen. Wer Chili aussäen möchte, braucht vor allem eines: Geduld. Kaum eine Gemüsekultur im Hausgarten braucht so lange vom Samen bis zur ersten reifen Frucht, deshalb beginnt die Chili-Saison schon im Spätwinter auf der Fensterbank.

Botanischer Name Capsicum annuum
Art / Familie Paprika / Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Aussaat (Vorkultur) Februar – April
Keimtemperatur 20–24 °C (Keimdauer 8–14 Tage)
Pflanzung / Freiland Ab Ende Mai, nach den Eisheiligen
Ernte Juli – Oktober (laufend)
Standort Sonnig, warm und windgeschützt
Abstand ca. 40–50 cm
Saattiefe ca. 0,2 cm, nur hauchdünn bedecken
Wuchshöhe ca. 60–80 cm
Schärfe Mittelscharf bis scharf (Schärfegrad 6–7 laut Tüte)
Samenfest ja
Bio aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006)

Woher Chili kommt: aus Mexiko in die ganze Welt

Chili und Gemüsepaprika sind botanisch dieselbe Art: Capsicum annuum aus der Familie der Nachtschattengewächse, zu der auch Tomate, Kartoffel und Aubergine gehören. Ob eine Sorte süß oder scharf schmeckt, ist eine Frage der Züchtung, nicht der Art. Die Wildform heißt Capsicum annuum var. glabriusculum und ist in Mexiko als Chiltepin bekannt: eine buschige Pflanze mit kleinen, roten, sehr scharfen Beerenfrüchten.

Domestiziert wurde Chili in Mexiko, nach heutigem Wissensstand vor rund 6.000 Jahren. Eine Studie von Kraft und Kollegen aus dem Jahr 2014 hat dafür vier Beweislinien zusammengeführt: die Verbreitung der Wildform, alte Pflanzenwörter in den Sprachen Mesoamerikas, genetische Daten und archäologische Funde. Alle vier deuten auf das zentral-östliche Mexiko, etwa vom Süden Pueblas und Norden Oaxacas bis in den Südosten von Veracruz. Im Tal von Tehuacán wurden Chili-Reste aus vorkeramischer Zeit gefunden (ScienceDaily). Auch das Wort selbst stammt von dort: „Chili“ geht auf das Nahuatl-Wort chīlli zurück und hat mit dem Land Chile nichts zu tun.

Kolumbus und der „Pfeffer“, der keiner war

Nach Europa kam Chili mit Christoph Kolumbus. Auf seiner zweiten Reise begegnete er der Pflanze 1493 auf Hispaniola. Kolumbus war eigentlich auf der Suche nach dem Seeweg zu den Gewürzen Indiens, und so benannten die Spanier die scharfen Früchte nach dem bekannten schwarzen Pfeffer: pimienta. Im Deutschen hieß Chili deshalb lange „Spanischer Pfeffer“. Dabei ist Schwarzer Pfeffer mit Chili nicht näher verwandt. Der Name blieb trotzdem, im Englischen bis heute als chili pepper.

Die eigentliche Weltreise der Chili übernahmen portugiesische Seefahrer und Händler. Sie brachten die Pflanze nach Afrika und Arabien und weiter zu ihren Handelsstützpunkten in Asien, etwa nach Goa, Sri Lanka und Malakka. Von dort verbreitete sie sich über die lokalen Handelswege rasch weiter, sodass Chili heute in vielen asiatischen Küchen fest dazugehört. Nach Mitteleuropa und Ungarn gelangte sie unter anderem über das Osmanische Reich. Das Wort „Paprika“ übernahm das Deutsche im 19. Jahrhundert aus dem Ungarischen; es geht auf ein südslawisches Wort für Pfeffer zurück.

Stillleben mit frischen roten Cayenne-Schoten in einer Tonschale, getrockneten Schoten und einem Steinmörser
Chili stammt aus Mexiko und kam mit Kolumbus nach Europa. Die Spanier hielten die scharfen Früchte für eine Art Pfeffer.

Die Sorte 'De Cayenne': ein Typ und ein umstrittener Name

'De Cayenne' steht für den klassischen Cayenne-Typ: lange, sich verjüngende, oft leicht gebogene Schoten mit etwas welliger Haut, die an der Pflanze nach unten hängen. Ein Züchter, eine Institution oder ein Jahr der Sortenentstehung ist nicht eindeutig überliefert. Der Name bezeichnet eher einen Fruchttyp, unter dem seit Langem viele Herkünfte vermehrt werden.

Spannend ist die Herkunft des Namens. Meist wird er mit der Stadt Cayenne verbunden, der Hauptstadt von Französisch-Guayana an der Nordostküste Südamerikas. Ganz so einfach ist es aber nicht. Das englische Online Etymology Dictionary führt das Wort auf kyynha zurück, das Wort für Capsicum in der Tupi-Sprache Brasiliens. Erst später sei es mit dem ähnlich klingenden Ortsnamen verknüpft worden. Andere Quellen halten es für möglich, dass die Stadt nach dem Fluss Cayenne benannt wurde. Sicher ist: Die Bezeichnung „cayenne pepper“ ist im Englischen spätestens seit 1652 belegt, bei dem Botaniker Nicholas Culpeper. Beim Gewürz Cayennepfeffer handelt es sich bis heute um gemahlene, scharfe Chilischoten.

Wie scharf ist Cayenne?

Die Schärfe kommt vom Capsaicin. Es wird vor allem in der Plazenta gebildet, dem hellen Gewebe im Inneren der Frucht, an dem die Samen sitzen. Die Samen selbst enthalten meist kaum Capsaicin, schmecken aber scharf, weil sie direkt daran haften. Gemessen wird Schärfe traditionell in Scoville-Einheiten, benannt nach dem Apotheker Wilbur Scoville, der die Methode 1912 entwickelte: Man verdünnte einen Chili-Auszug so lange, bis Testpersonen keine Schärfe mehr spürten. Heute misst man den Capsaicin-Gehalt im Labor. Für Cayennepfeffer nennt die Wikipedia 30.000 bis 50.000 Scoville-Einheiten. Für unsere Sorte selbst liegt keine Messung vor. Auf der Tüte steht deshalb eine einfache Angabe: mittelscharf bis scharf, Schärfegrad 6–7. Wie scharf die Schoten tatsächlich werden, hängt auch von Sonne, Wärme und Wasserversorgung ab.

Frisch geerntete rote Chilischoten vom Cayenne-Typ auf einem hellen Holzbrett
Typisch für 'De Cayenne': schlanke, etwa 10 cm lange Schoten, die von Grün nach Rot abreifen.

Chili aussäen: Schritt für Schritt

Warum Chili so früh starten muss

Chili wächst langsam. Laut Tüte liegen zwischen Aussaatbeginn (Februar) und Erntebeginn (Juli) rund fünf Monate, und richtig los legt die Pflanze erst bei Wärme. Wer erst im Mai sät, erntet oft nur wenige reife Schoten, bevor der Herbst kommt. Deshalb ist die Aussaat ab Januar/Februar der Termin, den du dir vormerken solltest. Unsere Tüte nennt für 'De Cayenne' Februar bis April. Ein Start schon im Januar ist möglich, lohnt sich aber nur mit Zusatzlicht, denn im Mittwinter reicht das Tageslicht auf der Fensterbank kaum. Ohne Lampe werden die Sämlinge lang und dünn. Ein Start im Februar an einem hellen Südfenster ist für die meisten Gärten ein guter Kompromiss.

So säst du aus

  • Wärme: Chili keimt laut Tüte bei 20–24 °C, am zuverlässigsten bei konstanten 22–24 °C. Eine Fensterbank über der Heizung oder eine Heizmatte für Anzuchtschalen hilft. Unter etwa 20 °C keimen die Samen langsam und ungleichmäßig.
  • Saattiefe: Bedecke die Samen nur hauchdünn mit Erde, etwa 0,2 cm, und halte die Anzuchterde gleichmäßig feucht, aber nicht nass.
  • Geduld: Die Keimdauer liegt bei 8–14 Tagen.
  • Licht: Ab dem Keimen brauchen die Pflanzen so viel Licht wie möglich, gern auch etwas kühler als zur Keimung, damit sie kompakt bleiben.

Mit 15 Körnern pro Tüte lohnt es sich, einzeln in kleine Töpfe oder Multitopfplatten zu säen. So hast du gleich einen Überblick, welche Samen gekeimt sind.

Chili-Sämlinge in einer Anzuchtplatte und in kleinen Töpfen am Winterfenster unter einer Pflanzenlampe
Wärme zum Keimen, danach viel Licht: Chili wird früh im Jahr auf der Fensterbank vorgezogen, eine Pflanzenlampe hilft.

Pikieren und Abhärten

Sobald sich das erste echte Blattpaar zeigt, pikierst du die Pflänzchen einzeln in Töpfe. Setze sie dabei etwas tiefer als vorher. An warmen Tagen ab April kannst du sie stundenweise nach draußen stellen, damit sie sich an Sonne und Wind gewöhnen, nachts aber wieder ins Haus holen.

Auspflanzen und Pflege

Ins Freiland oder in große Kübel dürfen die Pflanzen ab Ende Mai, nach den Eisheiligen. Chili verträgt keinen Frost und wächst bei kühlen Nächten kaum. Ideal ist ein sonniger, warmer und windgeschützter Platz, etwa vor einer Hauswand, und ein tiefgründiger, humoser, gut gelockerter Boden. Als Pflanzabstand gelten etwa 40–50 cm. Im Kübel bekommt am besten jede Pflanze ein eigenes, nicht zu kleines Gefäß. Gieß gleichmäßig, ohne Staunässe, und dünge maßvoll, sobald sich die ersten Früchte bilden. Mit ihren ca. 60–80 cm bleibt 'De Cayenne' kompakt genug für den Balkon; tragen die Zweige viele Schoten, hilft ein Stab. Weitere Ideen für Kübel und Kästen findest du im Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen.

Ernten

Geerntet wird laut Tüte von Juli bis Oktober, laufend. Die Schoten sind schon grün essbar, ihr volles Aroma und ihre Farbe haben sie aber erst rot. Reiß die Früchte nicht ab, sondern schneide den Stiel mit einer Schere. Das schont die Pflanze, und sie bildet weiter Blüten. Wer die ersten grünen Schoten früh erntet, regt die Pflanze zu weiterem Fruchtansatz an.

Chili-Saatgut selbst gewinnen

'De Cayenne' ist samenfest. Aus den Samen deiner Pflanzen wachsen also wieder Pflanzen mit denselben Eigenschaften, solange keine Verkreuzung dazwischenkommt. Was das genau bedeutet, erklärt unser Beitrag Was bedeutet samenfest?.

Bestäubung: Selbstbestäuber mit Ausnahmen

Chiliblüten sind zwittrig und bestäuben sich in der Regel selbst. Eine einzelne Pflanze auf der Fensterbank setzt deshalb auch ohne Insekten Früchte und Samen an. Trotzdem kommt Fremdbestäubung häufig vor, vor allem durch Bienen und Hummeln. Wichtig: Weil Chili und Gemüsepaprika dieselbe Art sind, kreuzen sie sich ohne Weiteres. Auch Kreuzungen mit anderen kultivierten Capsicum-Arten wie C. chinense oder C. frutescens sind möglich. Im ersten Jahr merkst du davon nichts, denn die Frucht wächst aus dem Gewebe der Mutterpflanze. Erst aus den Samen wachsen Pflanzen, deren Schoten vielleicht dicker, milder oder schärfer sind als erwartet.

Isolation: Abstand oder Beutel

Die Saatgutorganisation Arche Noah nennt als Richtwert einen Abstand von 50 bis 200 Metern zwischen zwei Sorten, je nachdem, ob Hecken oder Gebäude dazwischen liegen. Im Hausgarten ist das selten machbar. Drei einfachere Wege:

  • Nur eine Sorte: Lass in der Saison nur 'De Cayenne' blühen, keine andere Chili- und keine Paprikasorte in der Nähe.
  • Blütenbeutel: Stülpe vor dem Aufblühen einen feinmaschigen Beutel aus Organza oder Vlies über einen Zweig mit Knospen. Die Blüten bestäuben sich darin selbst. Sobald kleine Früchte angesetzt haben, nimmst du den Beutel ab und markierst den Zweig mit einem Faden.
  • Netzzelt: Ganze Pflanzen kannst du unter einem Insektenschutznetz abblühen lassen.

Für den langfristigen Erhalt einer Sorte empfiehlt Arche Noah, Saatgut von mindestens 6 bis 12 Pflanzen zu gewinnen.

Ernte, Trocknung und Lagerung

  1. Vollreif ernten: Nimm Samen nur aus vollreifen, durchgefärbten roten Schoten, am besten kurz nach dem Farbumschlag. Grün geerntete Früchte reifen zwar nach, ihre Samen keimen aber nicht.
  2. Handschuhe anziehen: Schneide die Schoten der Länge nach auf und streife die Samen mit einem Löffel von der Plazenta. Handschuhe schützen vor dem Capsaicin, das sonst lange an den Fingern haftet.
  3. Trocknen: Verteile die Samen auf Kaffeefilter oder Backpapier und lass sie an einem warmen, luftigen Ort trocknen, nicht in praller Sonne.
  4. Prüfen: Die Samen sind trocken genug, wenn sie bei Druck mit dem Daumennagel brechen statt nachzugeben.
  5. Lagern: Kühl, dunkel und trocken in Papiertütchen, beschriftet mit Sorte und Jahr. So bleiben Chilisamen nach Angaben von Garden Organic bis zu fünf Jahre keimfähig.

'De Cayenne' in der Küche

Der Genuss-Tipp von unserer Tüte setzt auf die Stärke dieser Sorte: Cayenne-Schoten haben dünnes Fruchtfleisch und trocknen deshalb gut. Fädle die reifen roten Schoten mit Nadel und Faden durch den Stiel an einer Schnur auf und häng sie an einem trockenen, luftigen Ort auf. Nach einigen Wochen sind sie brüchig trocken. Dann kannst du sie zerbröseln und hast das ganze Jahr über selbst gemachte Chili-Flocken, oder du mahlst sie fein zu deinem eigenen Cayennepfeffer.

Frisch passen die Schoten in Pfannengerichte, Tomatensaucen und Currys. Wer es milder mag, entfernt Plazenta und Samen, denn dort sitzt der Großteil der Schärfe. Eine bewährte Kombination aus dem Mittelmeerraum ist Chili mit Knoblauch und Olivenöl zu Pasta, mit frischem Basilikum obendrauf. Nach dem Schneiden gründlich die Hände waschen.

Aufgefädelte getrocknete Cayenne-Schoten an einer Schnur, darunter eine Schale mit Chili-Flocken
Genuss-Tipp von der Tüte: reife rote Schoten auffädeln und trocknen lassen, dann zu Chili-Flocken zerbröseln.

Häufige Fragen zu Chili aussäen

Wann sollte man Chili aussäen?

Chili braucht eine lange Vorkultur. Plane die Aussaat ab Januar/Februar; unsere Tüte nennt für 'De Cayenne' Februar bis April. Ein Start im Januar lohnt sich vor allem mit Pflanzenlampe. Wer erst im Mai sät, erntet meist nur wenige reife Schoten.

Wie lange dauert es, bis Chili keimt?

Bei 20–24 °C laut Tüte 8–14 Tage. Ist es kühler, kann es deutlich länger dauern, und die Keimung wird ungleichmäßig. Eine Heizmatte oder ein warmer Platz in der Wohnung macht hier den größten Unterschied.

Kreuzt sich Chili mit Paprika?

Ja. Chili und Gemüsepaprika gehören beide zur Art Capsicum annuum und können sich gegenseitig bestäuben. Die Früchte im selben Jahr bleiben unverändert, aber aus ihren Samen können veränderte Pflanzen wachsen. Wenn du Saatgut gewinnen willst, lass nur eine Sorte blühen oder verwende Blütenbeutel.

Kann man aus gekauften Chilischoten Samen gewinnen?

Das kann klappen, ist aber unsicher. Viele Chilis im Handel stammen von F1-Hybriden, deren Nachkommen nicht sortenecht sind, oder wurden grün geerntet, sodass die Samen nicht ausgereift sind. Aus vollreifen Schoten samenfester Sorten wie 'De Cayenne' gelingt es zuverlässig.

Woher hat Cayenne seinen Namen?

Der Name wird meist mit der Stadt Cayenne in Französisch-Guayana verbunden. Das Online Etymology Dictionary führt ihn aber auf das Tupi-Wort kyynha für Capsicum zurück, das später mit dem Ortsnamen verknüpft wurde. Im Englischen ist „cayenne pepper“ seit dem 17. Jahrhundert belegt.

Wo es 'De Cayenne' gibt

Unsere Bio-Chili 'De Cayenne' gibt es als Tüte mit 15 Körnern aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006), BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt außerdem im Mediterran-Set mit Tomate und Basilikum, im Balkon- und Fensterbank-Set und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Bestandssorten. Weitere Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, alle Sortenporträts im Sortenlexikon.

Quellen

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