"Kompostierbare" Folien-Müllbeutel: Ein gut gemeintes Problem für die Biotonne
Mark BreyerShare
Sie sind in fast jedem Supermarkt zu finden: kompostierbare Folien-Müllbeutel, oft hergestellt aus Mais- oder Kartoffelstärke. Viele umweltbewusste Menschen greifen zu ihnen in dem Glauben, der Natur etwas Gutes zu tun. Doch was als nachhaltige Lösung beworben wird, entpuppt sich in der Praxis oft als Störfaktor für das Recyclingsystem.
Tatsächlich raten viele Abfallwirtschaftsbetriebe und auch das Umweltbundesamt davon ab, "kompostierbare" Müllbeutel aus Folie in der Biotonne zu entsorgen. Wir erklären, warum.
Warum "kompostierbar" nicht immer kompostierbar bedeutet
Die Aufschrift "kompostierbar", oft versehen mit einem offiziellen Siegel, suggeriert eine problemlose Entsorgung im Biomüll. Die Hersteller erfüllen damit zwar eine geltende Norm, doch die Realität in den deutschen Kompostieranlagen sieht anders aus.
Das Problem liegt in den unterschiedlichen Zeitfenstern. Die einschlägige Norm lässt den Beuteln mehrere Monate Zeit für den Zerfall. Industrielle Kompostieranlagen arbeiten jedoch in viel kürzeren Zyklen: Der Rotteprozess, bei dem Mikroorganismen bei über 60 °C den organischen Abfall zersetzen, dauert oft nur vier bis sechs Wochen. In dieser kurzen Zeit können die Folienbeutel nicht vollständig abgebaut werden.
Die Konsequenz: Halb zersetzte Folienreste verbleiben im fertigen Kompost. Da die Sortieranlagen zudem oft nicht zwischen herkömmlichen Plastiktüten und den Bio-Folienbeuteln unterscheiden können, werden sie häufig als Störstoffe aussortiert und landen im Restmüll oder der Müllverbrennung. Von einer vollständigen Kompostierung kann also in der Praxis oft nicht die Rede sein.
Ein Nährstoff-Dilemma
Selbst wenn die Technologie in Zukunft eine vollständige Zersetzung der Bio-Folienbeutel ermöglichen würde, bleibt ein grundlegendes Problem bestehen: Sie tragen nicht zur Qualität des Komposts bei. Laut Umweltbundesamt zerfallen sie hauptsächlich zu Wasser und CO₂. Sie liefern dem Boden jedoch keine Nährstoffe oder Humus, was der eigentliche Zweck der Kompostierung ist.
Im schlimmsten Fall verunreinigen nicht vollständig zersetzte Kunststoffpartikel – sogenanntes Mikroplastik – den fertigen Kompost, der später auf Feldern und in Gärten ausgebracht wird.
Papier-Biomülltüten: Die bewährte Alternative
Wenn Sie eine funktionierende Lösung suchen, sind Biomülltüten aus Papier in den meisten Kommunen die zugelassene Wahl.
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Zerfall in der Rottezeit: Unbeschichtetes Papier zerfällt in den Kompostieranlagen zusammen mit dem Bioabfall.
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Kein Kunststoff: Unbeschichtetes Papier bringt keine Plastikrückstände in den Kompost.
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Strukturmaterial: Papier liefert Kohlenstoff, der den Mikroorganismen als Nahrung dient.
Natürlich können Sie Ihre Bioabfälle auch lose in einem Eimer sammeln oder in altes Zeitungspapier einwickeln. Wenn Sie jedoch den Komfort eines Müllbeutels schätzen, sind Papiertüten die zuverlässigste Option ohne Kunststoffanteil für die Biotonne. Ob Ihre Kommune Papiertüten zulässt, zeigt unsere Auswertung von 383 Abfallsatzungen.
Fazit
Sogenannte kompostierbare Folien-Müllbeutel sind oft ein gut gemeinter, aber problematischer Ansatz. Die meisten Kommunen empfehlen stattdessen Papiertüten, idealerweise ohne Aufdrucke und ohne Beschichtung. Papiermüllbeutel bieten dafür eine praktikable Möglichkeit, ohne auf Komfort bei der Müllentsorgung verzichten zu müssen.
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