Frisch gezogene, walzenförmige Möhren mit stumpfem Ende und Laub auf dunkler Gartenerde

Möhren anbauen: Sortenporträt Karotte 'Nantaise 5'

Mark Breyer

Die Karotte 'Nantaise 5' ist eine samenfeste Möhre vom Nantaiser Typ: walzenförmig, mit stumpfem Ende, glatter Schale und kaum ausgeprägtem Holzkern. Sie steht für das, was viele unter einer Gartenmöhre verstehen, nämlich süßes Aroma und zarten Biss. Weil sie samenfest ist, kannst du aus überwinterten Rüben im zweiten Jahr eigenes Saatgut ziehen, wenn du eine Besonderheit der Möhre kennst: Sie kreuzt sich bereitwillig mit der Wilden Möhre vom Wegrand.

Merkmal Karotte 'Nantaise 5'
Botanischer Name Daucus carota subsp. sativus
Art/Familie Möhre, Doldenblütler (Apiaceae)
Lebenszyklus zweijährig, Blüte und Samen im zweiten Jahr
Aussaat Direktsaat Mitte Februar bis Anfang Juli
Ernte ca. 14–18 Wochen nach der Aussaat
Standort sonnig; tiefgründiger, sandiger Boden
Abstand 20–30 cm zwischen den Reihen, 3–5 cm in der Reihe
Saattiefe 0,5–1 cm, nur leicht bedecken
Wuchshöhe Laub ca. 30–40 cm
Samenfest ja
Bio aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006)

Die orange Möhre wirkt selbstverständlich, ist aber verhältnismäßig jung. Ihre Vorfahren waren lila und gelb, und noch weiter zurück steht eine weiße, dünne Wurzel, die bis heute an jedem Feldrain wächst.

Herkunft: von der Wilden Möhre zur Kulturmöhre

Die Kulturmöhre (Daucus carota subsp. sativus) gehört zu den Doldenblütlern und ist damit verwandt mit Petersilie, Sellerie, Dill und Pastinake. Ihre Wildform ist die Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota), die in Europa, Nordafrika sowie West- und Zentralasien heimisch ist. Du erkennst sie im Sommer an den weißen, flachen Doppeldolden, in deren Mitte oft eine einzelne dunkelpurpurne Blüte sitzt. Nach der Blüte ziehen sich die Fruchtstände zu einem Gebilde zusammen, das an ein Vogelnest erinnert. Ihre Wurzel ist weiß und dünn.

Wie aus dieser Wildpflanze ein Gemüse wurde, haben Genetiker untersucht. Eine Studie von Iorizzo und Kollegen im American Journal of Botany (2013) fand, dass Wildmöhren aus Zentralasien den Kulturmöhren genetisch am ähnlichsten sind, und verortet den Ursprung der Kulturmöhre dort. Die deutschsprachige Wikipedia nennt Afghanistan als Herkunft der gelben und der rotvioletten Formen. Anfangs nutzte man die Pflanze wohl eher wegen ihrer aromatischen Blätter und Samen. Erst durch lange Auslese wurden die Wurzeln dicker, süßer und weniger holzig.

Lila und gelb: die frühen Kulturformen

Um das 10. Jahrhundert waren im Gebiet des heutigen Iran und im östlichen Mittelmeerraum lila und gelbe Möhren verbreitet. Über die Mauren kamen sie nach Spanien, im 12. Jahrhundert wurden sie auch in Italien angebaut. Gelehrte wie Simeon Seth im 11. und Ibn al-'Awwam im 12. Jahrhundert beschreiben rote und gelbe Sorten.

Stillleben mit lila, gelben und orangen Möhren auf einem dunklen Holztisch
Die frühen Kulturmöhren waren lila und gelb, die orange Möhre entstand erst später in den Niederlanden.

Die orange Möhre und die Oranje-Legende

Die orange Möhre entstand nach heutigem Wissen in den Niederlanden, wohl im 16. oder 17. Jahrhundert; niederländische Gemälde dieser Zeit zeigen sie bereits. Oft hört man, die Gärtner hätten sie dem Fürstenhaus Oranien zu Ehren gezüchtet. Das ist eine Legende: Einen zeitgenössischen Beleg dafür gibt es nicht, und mehrere Fachleute halten die Geschichte für nicht überzeugend belegt. Die englische Wikipedia nennt einen nüchterneren Grund für den Erfolg: Orange Möhren färben Suppen und Eintöpfe nicht bräunlich, wie es lila Möhren tun.

Von den Niederlanden aus verbreiteten sich die orangen Typen in ganz Europa. Nach Angaben des französischen Observatoire des Produits du Terroir setzte sich ab etwa 1800 die kurze „Holländische Möhre“ in Frankreich durch, zuerst rund um Paris, dann im Tal der Loire. Und genau dort, an der unteren Loire, beginnt die Geschichte unserer Sorte.

Die Sorte 'Nantaise 5': ein Klassiker aus dem Pays nantais

Der Name verweist auf Nantes und das Gemüseland an der Loiremündung. Der Nantaiser Typ entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; das Observatoire des Produits du Terroir nennt für die „demi-longue nantaise“ das Jahr 1864. Wer genau sie ausgelesen hat, ist nicht eindeutig überliefert.

Gut belegt ist dagegen, wie die Sorte damals beschrieben wurde. Das Pariser Saatguthaus Vilmorin-Andrieux führt sie 1883 in seinem Standardwerk „Les Plantes potagères“ als „Carotte rouge demi-longue nantaise“: eine fast vollständig zylindrische Wurzel mit stumpfer, sogar abgerundeter Spitze, sehr glatter Schale und durchgehend gefärbtem Fleisch, dem der breite gelbe Kern der meisten anderen Möhren beinahe völlig fehle, sehr süß und mild im Geschmack. Bemerkenswert ist der Zusatz: Obwohl die Sorte erst seit wenigen Jahren verbreitet sei, gehöre sie schon zu den am meisten angebauten Gartenmöhren. Im selben Werk steht übrigens, dass „Vilmorin père“ um 1830 versuchte, aus der Wilden Möhre durch Auslese wieder dicke, essbare Wurzeln zu ziehen, ein frühes Experiment zur Frage, wie die Kulturmöhre entstanden sein könnte.

Frisch geerntete Möhren 'Nantaise 5' mit Laub und Erdkrumen auf einem Holzbrett am Beetrand
'Nantaise 5' bildet walzenförmige Wurzeln mit stumpfem Ende und kaum einem harten Kern.

Aus dem Nantaiser Typ gingen viele Auslesen hervor. 'Nantaise 5' ist eine davon. Wer die Selektion mit der Nummer 5 erstellt hat und wann, konnten wir nicht belegen. Gesichert sind die Sortenmerkmale: zylindrische Wurzeln mit stumpfem Ende, kräftiges Aroma, natürliche Süße und kaum ein harter Holzkern. Sie gilt als mittelfrüh, ertragssicher und robust.

Möhren anbauen Schritt für Schritt

Boden und Standort

Möhren wachsen in die Tiefe. Laut Tüte braucht 'Nantaise 5' einen sonnigen Platz mit tiefgründigem, eher sandigem Boden. Lockere das Beet vor der Saat gründlich und entferne Steine, denn auf harten oder steinigen Stellen verzweigen sich die Wurzeln. Dünge zurückhaltend: Überdüngung, vor allem mit frischem Mist, kann zu beinigem Wuchs führen. Gut ausgereifter Kompost ist dagegen in Ordnung.

Aussaat

Gesät wird direkt ins Beet, von Mitte Februar bis Anfang Juli. Bei frühen Saaten muss der Boden abgetrocknet und bearbeitbar sein; in kalter Erde keimen Möhren langsam. Zieh Rillen im Abstand von 20 bis 30 cm, säe dünn und bedecke die Samen nur 0,5 bis 1 cm mit Erde. Möhren keimen je nach Temperatur ungleichmäßig innerhalb von ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit darf das Saatbeet nicht austrocknen, sonst bleiben Lücken. Wenn die Pflänzchen einige Zentimeter hoch sind, vereinzelst du sie auf 3 bis 5 cm in der Reihe; die herausgezogenen Möhrchen kannst du gleich essen.

Pflege und Möhrenfliege

Halte das Beet unkrautfrei, denn die feinen Keimlinge wachsen anfangs langsam. Gleichmäßige Feuchtigkeit beugt geplatzten Wurzeln vor. Der bekannteste Schädling ist die Möhrenfliege (Chamaepsila rosae). Ihre Larven fressen rostbraune Gänge in die Rüben. Nach dem Ökolandbau-Portal der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung fliegt die erste Generation ab Anfang Mai, eine zweite ab Juli. Als wirksamste Maßnahme gilt ein feinmaschiges Kulturschutznetz, das gleich nach der Saat aufgelegt und am Rand gut im Boden verankert wird. Dazu kommen ein luftiger, windoffener Platz und eine Anbaupause: Säe Möhren nicht dort, wo im Vorjahr Doldenblütler wie Möhren, Sellerie oder Petersilie standen.

Und die Mischkultur mit Zwiebeln? Sie ist eine alte Gärtnerregel: Der Zwiebelgeruch soll die Möhrenfliege fernhalten, umgekehrt die Möhre die Zwiebelfliege. In Versuchen zeigte die Kombination laut Wikipedia nur eine leicht befallsmindernde Wirkung. Abwechselnde Reihen nutzen das Beet gut aus, ersetzen das Netz aber nicht.

Reihen junger Möhren im lockeren Beet, teilweise unter einem feinen Kulturschutznetz
Ein feinmaschiges Kulturschutznetz, gleich nach der Saat aufgelegt, hält die Möhrenfliege fern.

Ernte und Lagerung

Etwa 14 bis 18 Wochen nach der Aussaat sind die Möhren erntereif. Du kannst aber auch früher einzelne junge Möhren ziehen. Lockere die Erde neben der Reihe mit einer Grabgabel, dann brechen die Wurzeln nicht ab. Für den Vorrat eignen sich vor allem späte Saaten. Dreh das Laub ab, ohne die Rübe zu verletzen, und lagere unbeschädigte Möhren kühl und feucht in Sand oder Erde. Die Erhaltungsorganisation Arche Noah nennt dafür 1 bis 4 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Saatgut selbst gewinnen

Weil 'Nantaise 5' samenfest ist, wachsen aus eigenen Samen wieder Möhren mit denselben Eigenschaften, wenn keine fremden Pollen im Spiel waren. Was samenfest genau bedeutet, erklären wir im Beitrag Was bedeutet samenfest?. Bei der Möhre braucht es dafür etwas Geduld, denn sie ist zweijährig.

Rüben überwintern: Für Samenträger eignen sich Möhren aus einer späten Aussaat im Juni oder Juli, weil sie im Herbst nicht zu groß werden. Wähle bei der Ernte die Wurzeln aus, die am besten dem Sortenbild entsprechen: zylindrisch, stumpf, glatt und gut gefärbt. Schneide das Laub bis auf die Herzblätter zurück und lagere die Rüben kühl in feuchtem Sand. Im zeitigen Frühjahr, sobald der Boden offen ist, pflanzt du sie mit großem Abstand wieder aus. Arche Noah empfiehlt 20 bis 39 cm in der Reihe und bis 60 cm zwischen den Reihen; die Rübe wird so tief gesetzt, dass nur der Kopf herausschaut. Die Blütenstände werden laut Garden Organic bis 1,5 m hoch und brauchen eine Stütze.

Bestäubung: Möhren sind Fremdbefruchter. In jeder Einzelblüte reift der Pollen, bevor die Narbe empfängnisbereit ist, so kommt es überwiegend zur Kreuzbestäubung. Die Arbeit erledigen Insekten, vor allem Fliegen, Schwebfliegen und Käfer. Für eine Sorte mit genügend Vielfalt nimmst du nicht nur eine Handvoll Rüben: Die britische Organisation Garden Organic rät zu mindestens 20 bis 30 Pflanzen, Arche Noah lässt für die Sortenerhaltung 200 Pflanzen gemeinsam abblühen.

Die Wilde Möhre ist der eigentliche Knackpunkt: Kultur- und Wildmöhre gehören zur selben Art und kreuzen sich ohne Hürde. Blüht am Wegrand, auf einer Brache oder an der Böschung Wilde Möhre, tragen Insekten deren Pollen auf deine Samenträger. Die Nachkommen solcher Kreuzungen erkennst du im nächsten Jahr an weißen, dünnen und zähen Wurzeln und an Pflanzen, die schon im ersten Jahr schossen; die Wildform setzt sich dabei durch. Kreuzungen mit einer anderen orangen Gartenmöhre siehst du dagegen nicht. Der empfohlene Abstand zu anderen Möhrensorten liegt laut Garden Organic bei mindestens 1.000 m, laut Arche Noah bei 2 bis 3 km. Weil sich die Wilde Möhre im Garten kaum ausschließen lässt, ist ein Isoliertunnel oder ein Zelt aus Vlies oder feinem Netz über den Samenträgern die sichere Lösung. Darin fehlen die Bestäuber, deshalb streichst du entweder mit der flachen Hand über die Dolden oder setzt Fliegen ein.

Ernte und Trocknung: Zuerst blüht und reift die Hauptdolde am Haupttrieb, und sie liefert die besten Samen. Reif sind die Samen, wenn sie braun werden und die Dolden spröde. Ernte bei trockenem Wetter, am besten in mehreren Durchgängen, und lass die Dolden an einem luftigen Ort nachtrocknen, denn reife Samen verpilzen an der Pflanze leicht. Danach reibst du die Samen aus und siebst die Reste ab.

Keimfähigkeit: Vilmorin-Andrieux gab 1883 vier bis fünf Jahre an, Garden Organic rechnet mit bis zu drei Jahren, danach lasse die Keimkraft rasch nach. Lagere das Saatgut trocken, kühl und dunkel, beschrifte es mit Sorte und Erntejahr und mach bei älteren Samen vor der Aussaat eine Keimprobe. Das Saatgut ist zur Aussaat bestimmt und nicht zum Verzehr.

In der Küche

Der Genuss-Tipp von der Tüte ist schlicht: Ein Tropfen hochwertiges Öl oder etwas Butter bei der Zubereitung rundet den Geschmack der Möhren ab, ob als Rohkost, im Saft oder im Ofengemüse. Weil 'Nantaise 5' kaum einen harten Kern hat, eignet sie sich besonders gut zum Rohessen, fein geraspelt als Salat mit etwas Zitrone und Öl oder einfach frisch aus dem Beet.

Ofenmöhren mit Olivenöl, Salz und Thymian auf dem Blech neben einer Schale Möhrenrohkost
Genuss-Tipp von der Tüte: Ein Tropfen gutes Öl oder etwas Butter rundet den Geschmack ab, roh oder aus dem Ofen.

Im Ofen werden halbierte Möhren mit etwas Öl, Salz und Thymian süß und leicht karamellisiert. In Butter glasiert und mit gehackter Petersilie bestreut sind sie eine klassische Beilage; wie du das passende Kraut ziehst, liest du in unserem Porträt der Petersilie 'Gigante d'Italia'. Auch das zarte Grün junger Möhren lässt sich verwenden, etwa fein gehackt in einem Pesto.

Häufige Fragen zu Karotte 'Nantaise 5'

Wann sät man Möhren aus?

'Nantaise 5' säst du laut Tüte von Mitte Februar bis Anfang Juli direkt ins Beet. Frühe Saaten brauchen abgetrockneten, bearbeitbaren Boden. Saaten im Juni und Juli liefern Möhren für das Lager.

Warum keimen meine Möhren nicht?

Meist ist das Saatbeet zwischendurch ausgetrocknet. Möhren keimen langsam und ungleichmäßig, je nach Temperatur innerhalb von ein bis zwei Wochen, und brauchen die ganze Zeit Feuchtigkeit. Auch zu tiefe Saat bremst: 0,5 bis 1 cm Erde reichen.

Wie schütze ich Möhren vor der Möhrenfliege?

Am zuverlässigsten mit einem feinmaschigen Kulturschutznetz, das du direkt nach der Saat auflegst und am Rand eingräbst. Ein luftiger Standort und eine Anbaupause nach anderen Doldenblütlern helfen zusätzlich. Die Mischkultur mit Zwiebeln wirkt nach bisherigen Erfahrungen nur leicht.

Kann man von Möhren Samen gewinnen?

Ja, bei samenfesten Sorten wie 'Nantaise 5'. Die Möhre blüht erst im zweiten Jahr. Du überwinterst ausgewählte Rüben, pflanzt sie im Frühjahr wieder aus und erntest im Sommer die Samen. Wichtig ist der Schutz vor Pollen der Wilden Möhre.

Warum sind meine Möhren beinig oder verzweigt?

Häufige Ursachen sind verdichteter oder steiniger Boden und zu viel Dünger, besonders frischer Mist. Locker das Beet tief und dünge zurückhaltend.

Karotte 'Nantaise 5' bei BioGlück

Du findest die Karotte 'Nantaise 5' als Bio-Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt auch im Küchengarten-Set mit Radieschen, Salatgurke und Pflücksalat, im Naschgarten-Set mit Sonnenblume, Radieschen und Tomate und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Sorten unseres Stammsortiments. Alle weiteren Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, und einen Überblick über alle Porträts gibt das Sortenlexikon.

Quellen

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