Petersilie aussäen: Sortenporträt 'Gigante d'Italia' für Beet und Topf
Mark BreyerShare
Petersilie 'Gigante d'Italia' ist eine samenfeste, glattblättrige Petersilie mit großen, dunkelgrünen Blättern und kräftigem Aroma. Wer Petersilie aussäen will, braucht vor allem Geduld: Die Samen keimen langsam und ungleichmäßig, dafür liefert die zweijährige Pflanze, einmal etabliert, bis in den Winter frisches Grün und im zweiten Jahr sogar eigenes Saatgut.
| Merkmal | Petersilie 'Gigante d'Italia' |
|---|---|
| Botanischer Name | Petroselinum crispum |
| Art/Familie | Petersilie, Doldenblütler (Apiaceae) |
| Aussaat | März bis September, Direktsaat |
| Ernte | ca. 50–70 Tage nach der Aussaat |
| Standort | Sonnig bis halbschattig |
| Abstand | 20–30 cm zwischen den Reihen, 4–5 cm in der Reihe |
| Saattiefe | 0,5–1 cm, nur leicht bedecken |
| Wuchshöhe | ca. 30–50 cm |
| Samenfest | ja |
| Bio | aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006) |
Petersilie unterscheidet sich von den meisten Küchenkräutern: Sie ist zweijährig und steht im Winter noch im Beet. Wer im Frühjahr sät, sollte außerdem wissen, warum sie sich mit der Keimung so viel Zeit lässt.
Herkunft: ein Doldenblütler aus dem Mittelmeerraum
Die Petersilie (Petroselinum crispum) gehört zu den Doldenblütlern, also zur selben Familie wie Möhre, Sellerie, Dill und Fenchel. Laut Wikipedia ist sie eine zweijährige krautige Pflanze, die wild im Mittelmeerraum vorkommt. Wo genau ihre Wildheimat liegt, geben die Quellen unterschiedlich an: Die Datenbank der Royal Botanic Gardens Kew nennt Griechenland, den Balkan, Algerien und Marokko, die europäische Florendatenbank Euro+Med unter anderem Albanien, Tunesien und Jordanien. Carl von Linné hielt Sardinien für ihre Heimat. Weil sie seit Jahrtausenden angebaut wird, ist ursprünglich und eingebürgert schwer zu trennen.
Ihr Name ist griechisch: Die Vorsilbe petro- („Stein“) machte aus sélinon das Wort petrosélinon, so viel wie „Steinsellerie“. Über das lateinische petroselinum wurde daraus unsere Petersilie.
Siegerkränze und Grabschmuck in der Antike
Im antiken Griechenland galt sélinon als besondere Pflanze. Die Sieger der Nemeischen Spiele erhielten einen Kranz daraus, ebenso zunächst die Sieger der Isthmischen Spiele, die ab 580 v. Chr. bei Korinth zu Ehren Poseidons stattfanden; später ersetzten dort Kiefernzweige das Grün. Gleichzeitig schmückte man damit Gräber. Plutarch erzählt, wie Soldaten des Feldherrn Timoleon erschraken, als ihnen Maultiere voller sélinon entgegenkamen, weil sie an Grabschmuck dachten. Timoleon soll die Stimmung gerettet haben, indem er das Kraut zum Siegeskranz erklärte. Eine Einschränkung gehört allerdings dazu: Die Griechen unterschieden Petersilie und Sellerie nicht eindeutig. Ob die Kränze aus Petersilie, Sellerie oder beidem bestanden, lässt sich nicht sicher sagen.

Auch die Römer bauten Petersilie an. Der amerikanische Agrarbotaniker Edward Lewis Sturtevant deutete Stellen bei Columella so, dass dieser im 1. Jahrhundert bereits breitblättrige und krause Formen unterschied und für beide Kulturanweisungen gab. Nach Mitteleuropa kam sie über die Klöster: Im Mittelalter wurde sie dort zunächst als Heilkraut angebaut, dann in der Küche verwendet. In der Landgüterverordnung Karls des Großen, dem „Capitulare de villis“, steht sie als petresilinum unter den Pflanzen, die auf den Krongütern wachsen sollten. Die Datierung dieser Verordnung ist umstritten; genannt werden Jahre zwischen 770 und 813.
Die Sorte 'Gigante d'Italia': der große Glattblättrige
Bei der Gartenpetersilie unterscheidet man drei Formen: die glatte Blattpetersilie, die krause Petersilie und die Wurzelpetersilie, die wegen ihrer dicken, hellen Rübe angebaut wird. Botanisch gehören alle drei zu derselben Art. Im Englischen heißt die glatte Form „Italian parsley“, ihre Sortengruppe trägt den Namen Neapolitanum. 'Gigante d'Italia', „Riese aus Italien“, gehört in diese Gruppe. Das Gartenbau-Wiki Hortipendium führt sie unter den bekannten glattblättrigen Sorten.

Wer die Sorte gezüchtet hat und seit wann es sie gibt, ist nicht eindeutig überliefert. Der Name verweist auf Italien, doch einen Züchter, ein Jahr oder eine Region konnten wir nicht belegen; im Handel kursieren dazu widersprüchliche Angaben. Gesichert ist, wofür sie steht: deutlich größere Blätter als krause Sorten, ein kräftig-würziges Aroma und Pflanzen, die nach dem Schnitt zuverlässig nachtreiben. Glattblättrige Petersilie gilt außerdem als unempfindlicher gegenüber Regen und Sonne als die krause.
Petersilie aussäen Schritt für Schritt
Planung für das Frühjahr
Laut Tüte säst du 'Gigante d'Italia' von März bis September direkt ins Beet oder in den Topf. Plane dafür einen Platz, auf dem in den letzten Jahren keine Petersilie stand. Petersilie verträgt sich nicht mit sich selbst: Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt rät, sie erst nach fünf bis sieben Jahren wieder an dieselbe Stelle zu säen. Auch nach nahen Verwandten wie Möhren, Pastinaken oder Sellerie kann sie kümmern. Lockere den Boden tiefgründig, denn Staunässe verträgt Petersilie schlecht.
Aussaat: warum es so lange dauert
Lege die Samen 0,5–1 cm tief und bedecke sie nur leicht mit Erde. In Ratgebern gilt Petersilie meist als Dunkelkeimer; zu tief solltest du sie trotzdem nicht säen. Die Reihen liegen 20–30 cm auseinander, in der Reihe stehen die Pflanzen später 4–5 cm voneinander entfernt. Dann beginnt das Warten: Die Keimung dauert laut Tüte zwei bis vier Wochen und verläuft oft ungleichmäßig. Ein Grund sind Furanocumarine in der Samenschale, die die Keimung bremsen. Wie lange es dauert, hängt stark von der Bodentemperatur ab. Hortipendium schätzt bei 5 °C etwa 45 Tage, bei 12 °C etwa 25 und bei 20 °C rund 12 Tage. Eine frühe Aussaat im März profitiert deshalb von einem Vlies. Halte den Boden in dieser Zeit gleichmäßig feucht; trocknet er aus, bleibt die Saat oft aus.
Ein verbreiteter Gärtnertipp: Streu ein paar Radieschensamen mit in die Reihe. Sie keimen schnell, markieren die Reihe und zeigen dir, wo du hacken darfst. Im Hochsommer hilft es, die Aussaatstelle leicht zu schattieren, damit der Boden nicht verkrustet.

Pflege und Ernte
Ein sonniger bis halbschattiger Platz genügt. Halte den Boden feucht, aber nie nass. Etwa 50 bis 70 Tage nach der Aussaat kannst du ernten. Schneide die äußeren Stiele und lass das Herz in der Mitte stehen, dann treibt die Pflanze immer neue Blätter nach.
Petersilie im Winter
Als zweijährige Pflanze bildet Petersilie im ersten Jahr eine Blattrosette und eine Speicherwurzel, mit der sie überwintert. In milden Wintern kannst du laut Hortipendium auch im Winter noch Blätter schneiden. Bei stärkerem Frost erfrieren die Blätter, die Wurzel treibt im Frühjahr aber wieder aus. Lange Kahlfröste von −10 °C und kälter können auch die Wurzel schädigen; eine Schneedecke schützt dagegen erstaunlich gut. Schon der französische Saatgutklassiker von Vilmorin-Andrieux empfahl, für die Winterernte einen Frühbeetkasten über ein Beet mit jungen, im August gesäten Pflanzen zu stellen. Heute tut es ein Vlies.
Petersilie im Topf überwinterst du an einem hellen, geschützten Platz, etwa auf einer kühlen Fensterbank. Im Winter wächst sie dort langsam, weil das Licht fehlt; schneide deshalb sparsam. Wie du Kräuter und Gemüse auf kleinem Raum ziehst, liest du in unserem Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen.
Im zweiten Frühjahr streckt sich die Pflanze und blüht. Die Blätter werden dann kleiner und weniger. Für die Küche säen viele Gärtner deshalb jedes Jahr neu, für die Samengewinnung lässt du die Pflanzen stehen.
Saatgut selbst gewinnen
Weil 'Gigante d'Italia' samenfest ist, wachsen aus deinen eigenen Samen wieder Pflanzen mit denselben Eigenschaften, sofern sie sich nicht mit einer anderen Petersilie verkreuzt haben. Was samenfest genau bedeutet, erklären wir im Beitrag Was bedeutet samenfest?.
Blüte im zweiten Jahr: Lass einige kräftige Pflanzen über den Winter stehen. Im Sommer des zweiten Jahres bilden sie Doppeldolden mit kleinen, grünlichgelben Blüten.
Bestäubung und Verkreuzung: Die Blüten werden von Insekten bestäubt, vor allem von Fliegen, Schwebfliegen und Hautflüglern. Sie sind vormännlich: Der Pollen ist reif, bevor die Narbe derselben Blüte empfängnisbereit ist. Das begünstigt Fremdbestäubung. Glatte Petersilie, krause Petersilie und Wurzelpetersilie gehören zu derselben Art und verkreuzen sich deshalb miteinander. Die US-Erhaltungsorganisation Seed Savers Exchange nennt als Isolationsabstand 1.600 Fuß, also knapp 500 Meter, und für die Erhaltung einer Sorte eine Bestandsgröße von etwa 80 Pflanzen. Im Hausgarten heißt das praktisch: Lass im selben Jahr nur eine Petersiliensorte blühen und ernte von mehreren Pflanzen statt von einer einzigen.
Ernte und Trocknung: Die Samen reifen laut dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt etwa im August. Reif sind sie, wenn sich Früchte und Stiele verfärben und die Stängel gelb werden. Die Dolden reifen nacheinander, deshalb kannst du sie einzeln abschneiden. Lass sie an einem luftigen, trockenen Ort über einem Tuch oder in einer Papiertüte nachtrocknen, reibe die Samen dann aus und trenne sie von Stängelresten. Das Saatgut ist zur Aussaat bestimmt und nicht zum Verzehr.
Keimfähigkeit: Trocken, kühl und dunkel gelagert bleiben Petersiliensamen nach Vilmorin-Andrieux mindestens drei Jahre keimfähig. Beschrifte die Tüte mit Sorte und Erntejahr.
Sicherheitshinweis: giftige Doppelgänger
Glatte Petersilie sieht einigen giftigen Doldenblütlern zum Verwechseln ähnlich. Die wichtigste ist die Hundspetersilie (Aethusa cynapium), ein stark giftiges Ackerunkraut, das auch in Gärten aufläuft. Sie riecht zerrieben eher unangenehm, ihre Blattunterseite glänzt stark, sie blüht weiß statt grünlichgelb, schon im ersten Jahr, und unter ihren kleinen Dolden hängen auffällige Hüllblättchen nach unten. Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) wächst an Wegrändern und Brachen, wird bis zu 2,5 Meter hoch, hat einen bläulich bereiften, unten rot gefleckten Stängel und riecht nach Mäuseurin. Beide gehören zu den giftigsten Pflanzen ihrer Familie.
Die Verwechslungsgefahr ist alt. Vilmorin-Andrieux schrieb, selbst ein erfahrener Gärtner könne glatte Petersilie und Hundspetersilie am Blatt kaum sicher unterscheiden, und riet deshalb, im Küchengarten nur krause Sorten zu ziehen. Heute genügt Sorgfalt: Säe in markierten Reihen, entferne Doldenblütler, die du nicht gesät hast, gewinne Saatgut nur von Pflanzen, deren Herkunft du kennst, und sammle keine Samen von wild wachsenden Doldenblütlern. Bist du dir bei einer Pflanze nicht sicher, verwende sie nicht.
In der Küche
Die großen, glatten Blätter von 'Gigante d'Italia' lassen sich leicht waschen und hacken und schmecken kräftiger als die meisten krausen Sorten. Unser Genuss-Tipp von der Tüte gilt einem Teil, der oft weggeworfen wird: den Stielen. Sie tragen oft noch mehr Aroma als die Blätter. Fein gehackt geben sie Suppenfonds, Eintöpfen oder selbst gemachtem Kräutersalz Tiefe.

Die Blätter selbst gibst du am besten roh oder erst zum Schluss an warme Gerichte, weil sie beim langen Kochen ihr Aroma verlieren. In Italien ist glatte Petersilie die Grundlage der Salsa verde mit Kapern, Sardellen und Knoblauch und der Gremolata aus Petersilie, Knoblauch und Zitronenschale, die traditionell zum Ossobuco gereicht wird.
Häufige Fragen zu Petersilie 'Gigante d'Italia'
Kann man Petersilie im Herbst noch säen?
Ab Oktober nicht mehr im Freien: Laut Tüte wird 'Gigante d'Italia' von März bis September gesät. Die nächste Aussaat beginnt also im März, früh im Jahr am besten unter Vlies, weil die Samen bei kühlem Boden besonders lange zum Keimen brauchen. Bis dahin kannst du Pflanzen, die schon im Beet oder im Topf stehen, weiter beernten.
Soll man Petersilie jedes Jahr neu pflanzen?
Für eine gute Blatternte meist ja. Petersilie ist zweijährig: Im zweiten Jahr treibt sie einen Blütenstängel, die Blätter werden kleiner und weniger. Wer jedes Jahr neu sät, am besten an einem anderen Platz, hat durchgehend junge Pflanzen. Lässt du einige Pflanzen blühen, kannst du daraus eigenes Saatgut gewinnen.
Was darf nicht neben Petersilie stehen?
Wichtiger als der Nachbar ist der Vorgänger: Petersilie sollte nicht dort wachsen, wo in den letzten Jahren Petersilie stand, und möglichst nicht direkt nach Möhren, Pastinaken oder Sellerie. Radieschen dagegen passen gut in dieselbe Reihe, weil sie die langsam keimende Saat markieren.
Warum geht meine Petersilie immer kaputt?
Häufige Ursachen sind Staunässe, ein Boden, auf dem schon zu oft Petersilie oder ihre Verwandten wuchsen, und ausgetrocknete Erde während der langen Keimzeit. Junge Pflanzen fallen im Freiland außerdem gern Schnecken zum Opfer. Ein lockerer, feuchter, aber nie nasser Boden und ein jährlich wechselnder Platz beugen vielen Problemen vor.
Petersilie 'Gigante d'Italia' bei BioGlück
Du findest Petersilie 'Gigante d'Italia' als Bio-Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt auch im Kräutergarten-Set mit Basilikum und Schnittlauch, im Set Balkon & Fensterbank und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Sorten unseres Stammsortiments. Alle weiteren Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, und einen Überblick über alle bisherigen Porträts gibt das Sortenlexikon.
Quellen
- Wikipedia: Petersilie (Systematik, Verbreitung nach Euro+Med, Blüte und Bestäubung, Varietäten, Antike, Mittelalter)
- Wikipedia (englisch): Parsley (Verbreitung nach POWO/Kew, Sortengruppen, Keimung, Küche)
- Wikipedia: Isthmische Spiele und Isthmian Games (Siegerkranz, Plutarch über Timoleon)
- Wikipedia: Capitulare de villis (Pflanzenliste, Datierung)
- Sturtevant's Edible Plants of the World (Hrsg. U. P. Hedrick, 1919): Carum petroselinum
- Vilmorin-Andrieux: The Vegetable Garden, 3. englische Auflage 1920, S. 480–483 (Kultur, Keimfähigkeit, Hundspetersilie)
- Hortipendium: Petersilie im Hausgarten (Sorten, Keimdauer, Fruchtfolge, Überwinterung)
- Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt: Italienische Petersilie (Anbau, Selbstunverträglichkeit, Samengewinnung)
- Seed Savers Exchange: Crop-Specific Seed Saving Guide (Bestäubung, Isolationsabstand, Bestandsgröße)
- Wikipedia: Hundspetersilie und Gefleckter Schierling (Unterscheidungsmerkmale, Giftigkeit)