Hohe Sonnenblumen mit großen goldgelben Köpfen vor einem Holzzaun und blauem Himmel

Sonnenblumen säen: Sortenporträt Sonnenblume 'Riesenblumig'

Mark Breyer

Die Sonnenblume 'Riesenblumig' ist eine samenfeste, hoch wachsende Sonnenblume mit großen, goldgelben Blütenköpfen und fast schwarzer Mitte. Sie wird bei uns etwa 3 m hoch und eignet sich als Sichtschutz im Sommer, als Schnittblume und als Mitmachpflanze im Kinderbeet. Weil sie samenfest ist, kannst du im Herbst eigene Kerne ernten und im nächsten Frühjahr wieder säen.

Merkmal Sonnenblume 'Riesenblumig'
Botanischer Name Helianthus annuus
Art/Familie Gewöhnliche Sonnenblume, Korbblütler (Asteraceae), einjährig
Aussaat Direktsaat März bis Mai, direkt an Ort und Stelle
Keimtemperatur optimal 15–20 °C
Blüte Juli bis Oktober
Standort vollsonnig; kräftiger, nahrhafter, ausreichend feuchter Boden
Abstand 40–60 cm
Saattiefe 2–3 cm, gut mit Erde bedecken
Wuchshöhe ca. 3 m
Samenfest ja
Bio aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006)

Kaum eine Gartenpflanze ist so bekannt und zugleich so von Missverständnissen umgeben: Die Sonnenblume stammt nicht aus Südamerika, und ihre Blüte dreht sich nicht mit der Sonne.

Herkunft: eine Kulturpflanze aus dem Osten Nordamerikas

Die Gewöhnliche Sonnenblume (Helianthus annuus) gehört zu den Korbblütlern. Der Gattungsname setzt sich aus den griechischen Wörtern helios (Sonne) und anthos (Blume) zusammen, annuus heißt einjährig. Was wie eine einzige große Blüte aussieht, ist ein Blütenstand: Am Rand sitzen die gelben, sterilen Zungenblüten, die Scheibe in der Mitte besteht aus sehr vielen kleinen Röhrenblüten, aus denen später je ein Kern wird. Die Wildform ist in Nordamerika bis nach Mexiko heimisch.

Wo die Sonnenblume zur Kulturpflanze wurde, war lange umstritten. Die ältesten sicher als domestiziert eingestuften Kerne stammen von der Hayes-Fundstelle in Tennessee. Ein direkt datierter Kern ist nach der Übersicht des Archäologen Bruce D. Smith in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2006) rund 4.840 Jahre alt (kalibriert), stammt also aus der Zeit knapp vor 3000 v. Chr. Erkennbar ist die Domestizierung an den deutlich größeren Kernen. Die Sonnenblume gehörte damit zu einer Gruppe früher Kulturpflanzen im Osten Nordamerikas, zusammen mit Gänsefuß und Kürbis, die Jahrtausende später zum Teil von Mais und Bohnen verdrängt wurden.

Funde aus Tabasco in Mexiko, rund 2600 v. Chr., brachten die These einer zweiten Domestizierung in Mexiko auf. Genetische Studien sprechen aber dafür, dass die heutigen Kultursonnenblumen auf eine einzige Domestizierung im Osten Nordamerikas zurückgehen, so etwa Blackman und Kollegen (2011).

Der Weg nach Europa und nach Russland

Spanische Seefahrer brachten die Sonnenblume im 16. Jahrhundert nach Europa. Das genaue Jahr ist unterschiedlich überliefert, gut belegt sind dagegen die frühen Beschreibungen. Der flämische Botaniker Rembert Dodoens bildete sie 1568 als „Chrysanthemum peruvianum“ ab, der Name zeigt, dass man sie damals für eine Pflanze aus Peru hielt. In der Bearbeitung von Mattiolis Kräuterbuch durch Joachim Camerarius den Jüngeren heißt sie „Groß Indianisch Sonnenblum“, und Camerarius notiert: „Anno 1584 haben wir allhie Blumen gehabt“. Zunächst war sie eine Zierpflanze für Gärten.

Stillleben mit einem Sonnenblumenkopf und einer Tonschale voller gestreifter Kerne auf einem dunklen Holztisch
Im 16. Jahrhundert kam die Sonnenblume als Zierpflanze nach Europa, zur Ölpflanze wurde sie erst im 19. Jahrhundert in Russland.

Zur Ölpflanze wurde sie in Russland. Der Überlieferung nach ließ Peter der Große Samen aus Holland kommen; lange blieb die Sonnenblume dort eine Zierpflanze und eine billige Knabberei. Nach der russischen Wikipedia presste 1829 der leibeigene Bauer Daniil Bokarew im Dorf Alexejewka im Gouvernement Woronesch erstmals Sonnenblumenöl mit einer Handpresse, wenige Jahre später entstand dort die erste Ölmühle. Als ein Grund für den raschen Erfolg gilt die Fastenzeit der orthodoxen Kirche: Tierische Fette waren an Fastentagen untersagt, das Öl der Sonnenblume war erlaubt. Bis heute heißt Sonnenblumenöl im Russischen umgangssprachlich auch „Fastenöl“. Russland und die Ukraine erzeugten 2020 zusammen mehr als die Hälfte der Sonnenblumenkerne weltweit.

Folgt die Sonnenblume der Sonne?

Nur, solange sie jung ist. Eine Studie von Atamian und Kollegen in Science (2016) hat das genau untersucht. Junge Pflanzen mit Knospe folgen der Sonne tagsüber von Ost nach West und drehen sich nachts wieder nach Osten, schon bevor es hell wird. Möglich macht das ungleiches Wachstum: Ost- und Westseite des Stängels strecken sich im Tagesverlauf abwechselnd stärker. Gesteuert wird der Rhythmus von der inneren Uhr der Pflanze. Sobald die Pflanze blüht, hört die Bewegung auf, und die Blütenköpfe bleiben nach Osten gerichtet. Die Forschenden fanden, dass nach Osten gerichtete Köpfe sich morgens schneller erwärmen und mehr Besuch von Bestäubern bekommen.

Spiralen und Fibonacci-Zahlen

Schau dir die Mitte einer reifen Sonnenblume genau an: Die Kerne liegen in zwei Scharen von Spiralen, die eine Schar dreht im Uhrzeigersinn, die andere dagegen. Jeder neue Blütenansatz liegt um etwa 137,5 Grad versetzt zum vorigen, den sogenannten Goldenen Winkel. Zählt man die Spiralen, kommen häufig zwei aufeinanderfolgende Fibonacci-Zahlen heraus, etwa 34 und 55, bei sehr großen Köpfen 89 und 144. Ein Bürgerwissenschaftsprojekt hat das an 657 Sonnenblumen nachgezählt (Swinton und Kollegen, 2016): Von 768 ausgewerteten Spiralzahlen waren 565 Fibonacci-Zahlen, weitere zeigten eine verwandte Struktur, und einige Köpfe passten in kein Schema. Eine schöne Aufgabe für Kinder im Herbst: die Spiralen eines getrockneten Kopfes nachzählen.

Die Sorte 'Riesenblumig'

'Riesenblumig' steht für den klassischen, hohen Sonnenblumentyp mit einem einzelnen großen Blütenkopf auf einem kräftigen, rau behaarten Stiel. Die goldgelben Zungenblüten umrahmen eine fast schwarze Mitte. Bei uns wird die Sorte etwa 3 m hoch. Der Name beschreibt das Erscheinungsbild; einen Züchter, ein Jahr oder einen Herkunftsort konnten wir für 'Riesenblumig' nicht belegen. Ähnlich hohe, einköpfige Sonnenblumen sind im englischen Sprachraum etwa als 'Russian Giant' oder 'Mammoth' bekannt. Ob 'Riesenblumig' mit ihnen verwandt ist, ist nicht überliefert.

Großer goldgelber Blütenkopf einer Sonnenblume mit dunkler Mitte vor blauem Himmel
'Riesenblumig' trägt große, goldgelbe Blütenköpfe mit fast schwarzer Mitte.

Sonnenblumen säen Schritt für Schritt

Standort

Die Sonnenblume braucht einen vollsonnigen Platz und einen kräftigen, nahrhaften Boden, der nicht austrocknet. Sie ist ein Starkzehrer mit hohem Wasser- und Nährstoffbedarf. Etwas reifer Kompost vor der Saat ist deshalb gut angelegt. Wähle für eine 3 m hohe Sorte möglichst einen Platz, an dem der Wind sie nicht voll erwischt, etwa vor einem Zaun oder einer Hauswand.

Aussaat

Laut Tüte säst du von März bis Mai direkt an Ort und Stelle. Die Keimtemperatur liegt optimal bei 15 bis 20 °C. In kalter Erde keimen die Kerne langsam und sind dann länger Schnecken und Vögeln ausgesetzt. Säe deshalb im März nur in milden Lagen und bei angewärmtem Boden; die Hauptsaat fällt meist in den April und Mai. Leg die Kerne 2 bis 3 cm tief und bedecke sie gut mit Erde. Du kannst breitwürfig oder in Reihen mit 5 bis 10 cm Abstand säen und später auslichten. Halte die Erde feucht; die Keimung dauert meist ein bis zwei Wochen.

Über den Abstand steuerst du, was du bekommst. Für große Blüten auf dicken Stielen lässt du 40 bis 60 cm zwischen den Pflanzen. Stehen die Pflanzen enger, bleiben Stiele und Blüten kleiner, dafür eignen sie sich besser als Schnittblumen.

Pflege und Stütze

Junge Sonnenblumen sind bei Schnecken beliebt. Kontrolliere das Beet in den ersten Wochen regelmäßig, besonders an feuchten Abenden, oder schütze die Keimlinge mit einem Kragen oder Vlies, bis sie kräftig sind. Danach wachsen sie schnell. Gieße bei Trockenheit durchdringend. Bei einer Höhe von 3 m und einem schweren Blütenkopf lohnt sich eine Stütze: Ein stabiler Pfahl, an dem du den Stängel locker anbindest, schützt bei Sommergewittern vor dem Umknicken.

Reihe hoher Sonnenblumen im Gartenbeet, jede an einem Holzpfahl angebunden
Bei rund 3 m Höhe hält ein Pfahl den Stängel bei Sommergewittern aufrecht.

Im Kinder-Naschgarten

Die Sonnenblume ist eine gute Pflanze für Kinder: Die großen Kerne lassen sich leicht greifen und säen, die Keimlinge erscheinen schnell, und das Wachstum lässt sich mit dem Zollstock verfolgen. Im Naschgarten wächst sie neben Pflanzen, die früher etwas zu ernten geben. Radieschen sind schon nach wenigen Wochen so weit, wie du in unserem Porträt der Radieschen 'Riesenbutter' nachlesen kannst, und die Karotte 'Nantaise 5' lässt sich jung aus dem Beet ziehen. Kinder bitte nur unter Aufsicht säen lassen, denn Saatgut ist nicht zum Essen bestimmt.

Blüte und Schnitt

Die Blüte reicht von Juli bis Oktober. Für die Vase schneidest du die Stiele früh am Morgen, wenn sich die Blüte gerade öffnet, und stellst sie gleich ins Wasser. Bleibt der Kopf an der Pflanze, beginnt die Samenreife.

Saatgut selbst gewinnen

Weil 'Riesenblumig' samenfest ist, wachsen aus eigenen Kernen wieder Pflanzen mit denselben Eigenschaften, sofern keine fremden Pollen im Spiel waren. Was das genau bedeutet, erklären wir im Beitrag Was bedeutet samenfest?. Die Sonnenblume ist einjährig, du erntest die Samen also schon im ersten Jahr.

Bestäubung: Die Einzelblüten im Korb öffnen sich nacheinander von außen nach innen. Jede ist zwittrig, gibt aber zuerst Pollen ab und ist erst danach empfängnisbereit. Die meisten Sorten sind selbstunverträglich, eine Pflanze befruchtet sich also kaum selbst. Die Bestäubung übernehmen Insekten, vor allem Bienen und Hummeln. Für eine gute Samenbildung stehen deshalb mehrere Pflanzen zusammen. Die gemeinnützige Lehrfilmreihe Diyseeds empfiehlt für die Saatgutgewinnung mindestens zehn Pflanzen. Wähle als Samenträger die Pflanzen, die dem Sortenbild am besten entsprechen: hoch, mit großem Kopf, gut gefärbt und mit vollen Kernen.

Verkreuzung und Isolation: Alle Sonnenblumensorten kreuzen sich untereinander, auch mit niedrigen oder rotblühenden Ziersorten aus dem Nachbargarten. Diyseeds nennt einen Abstand von 1 km zwischen zwei Sorten, mit einer Hecke dazwischen etwa 700 m. Im Hausgarten ist das selten zu schaffen. Die Lösung ist die Handbestäubung: Stülpe vor dem Aufblühen über jeden Samenträger-Kopf eine feste, wasserfeste Papiertüte. Während der Blüte, die je Kopf fünf bis zehn Tage dauert, nimmst du täglich bei zwei benachbarten Pflanzen die Tüten ab, reibst die Köpfe sanft aneinander und tütest sie wieder ein. Die Tüte darf bis zur Ernte bleiben.

Reife und Vogelschutz: Die Kerne reifen von außen nach innen. Erntereif ist der Kopf, wenn die Rückseite gelblich bis braun wird, die Röhrenblüten sich leicht abreiben lassen und die Zungenblüten abfallen. Vögel lieben die Kerne. Warte deshalb nicht, bis die ganze Pflanze vertrocknet ist, sondern schütze die Köpfe rechtzeitig mit einer Papiertüte oder einem Netz, oder schneide sie mit einem Stück Stiel ab, sobald die Kerne fest sind.

Trocknung und Lagerung: Lass die Köpfe an einem trockenen, luftigen Ort nachtrocknen, mit den Kernen nach oben, damit nichts schimmelt. Danach reibst du die Kerne aus, zum Beispiel über einem Gitter auf einem Eimer, lässt sie vollständig trocknen und bläst leichte Reste aus. Trocken genug sind sie, wenn ein Kern beim Biegen bricht. Trocken, kühl und dunkel gelagert bleiben Sonnenblumenkerne nach Diyseeds im Mittel etwa sieben Jahre keimfähig. Beschrifte das Saatgut mit Sorte und Erntejahr und mach bei älteren Kernen vor der Aussaat eine Keimprobe.

In der Küche

Der Genuss-Tipp von der Tüte: Geerntete, getrocknete und leicht angeröstete Kerne schmecken nussig, zum Beispiel über Salat oder im Müsli. Röste die geschälten Kerne ohne Fett in einer Pfanne bei mittlerer Hitze, bis sie duften und leicht Farbe nehmen, und rühre dabei ständig, denn sie werden schnell zu dunkel.

Leicht geröstete Sonnenblumenkerne in einer Pfanne, daneben Salat und Müsli mit Kernen bestreut
Genuss-Tipp von der Tüte: Leicht angeröstete Kerne aus der eigenen Ernte schmecken nussig über Salat oder im Müsli.

Geröstete Sonnenblumenkerne haben eine lange Tradition: Nach der deutschen Wikipedia verwendete man sie ab dem 17. Jahrhundert für Backwaren, in vielen slawischen Ländern knabbert man sie als „Semetschki“, in Spanien als „pipas“. Sie passen ins Brot, über Ofengemüse oder in einen Salat mit frischen Radieschen. Wichtig: Für die Küche nimmst du die Kerne aus der eigenen Ernte. Das Saatgut aus der Tüte ist zur Aussaat bestimmt und nicht zum Verzehr.

Häufige Fragen zur Sonnenblume 'Riesenblumig'

Wann sät man Sonnenblumen aus?

Laut Tüte von März bis Mai direkt ins Freiland. Am zügigsten keimen die Kerne bei 15 bis 20 °C, deshalb liegt die Hauptsaat meist im April und Mai. Im März säst du nur in milden Lagen und bei angewärmtem Boden.

Woher stammt die Sonnenblume?

Aus Nordamerika. Die ältesten domestizierten Kerne wurden in Tennessee gefunden und sind knapp 5.000 Jahre alt. Spanische Seefahrer brachten die Pflanze im 16. Jahrhundert nach Europa, zur Ölpflanze wurde sie im 19. Jahrhundert in Russland.

Kann man die Sonnenblume 'Riesenblumig' im Topf ziehen?

Mit 3 m Höhe ist sie eine Pflanze fürs Beet. Im Kübel braucht sie viel Erde, regelmäßig Wasser und Dünger und eine feste Stütze, und sie bleibt dort meist kleiner. Für Balkon und Fensterbank sind niedrige Pflanzen besser geeignet; Ideen dazu findest du in unserem Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen.

Fressen Schnecken Sonnenblumen?

Ja, vor allem die jungen Keimlinge. Kontrolliere das Beet in den ersten Wochen, besonders abends und nach Regen, und schütze die Pflänzchen mit einem Kragen oder Vlies. Größere Pflanzen mit festem Stängel werden selten noch ernsthaft geschädigt.

Wann erntet man Sonnenblumenkerne?

Im Spätsommer bis Herbst, wenn die Rückseite des Kopfes gelb bis braun wird, die Zungenblüten abfallen und die Kerne fest sind. Schütze die Köpfe vorher vor Vögeln und lass sie nach der Ernte luftig nachtrocknen.

Sonnenblume 'Riesenblumig' bei BioGlück

Du findest die Sonnenblume 'Riesenblumig' als Bio-Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt auch im Naschgarten-Set mit Radieschen, Karotte und Tomate und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Sorten unseres Stammsortiments. Alle weiteren Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, und einen Überblick über alle Porträts gibt das Sortenlexikon.

Quellen

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