Frisch gezogene große rote Radieschen mit Laub auf dem Gartenbeet neben der Reihe

Radieschen säen und ernten: Sortenporträt 'Riesenbutter'

Mark Breyer

Radieschen 'Riesenbutter' ist eine samenfeste Sorte mit großen, runden, roten Knollen und weißem, mild-würzigem Fleisch. Sie bleibt länger fest und zart als viele andere Radieschen, bevor sie pelzig wird, und ist nach wenigen Wochen erntereif. Wer Radieschen säen möchte, findet hier alles von der Herkunft bis zum eigenen Saatgut.

Merkmal Radieschen 'Riesenbutter'
Botanischer Name Raphanus sativus var. sativus
Art/Familie Garten-Rettich, Kreuzblütler (Brassicaceae)
Aussaat Direktsaat von Mitte März bis Anfang September
Keimung 8–15 °C, Keimdauer 8–10 Tage
Ernte bereits nach 3–6 Wochen
Standort sonnig, im Hochsommer besser halbschattig
Abstand 15–20 cm zwischen den Reihen, 8–10 cm in der Reihe
Saattiefe ca. 1 cm, nur leicht bedecken
Wuchshöhe ca. 15–20 cm
Samenfest ja
Bio aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006)

Radieschen sind die Sprinter im Gemüsebeet. Kaum ein anderes Gemüse zeigt so schnell, ob eine Aussaat gelungen ist, und kaum eines verzeiht so wenig, wenn man den richtigen Moment verpasst. Genau hier setzt 'Riesenbutter' an: Die Knollen werden groß und geben dir etwas mehr Zeit für die Ernte.

Herkunft: ein kleiner Rettich mit unklarer Heimat

Das Radieschen ist botanisch kein eigenes Gemüse, sondern eine Varietät des Garten-Rettichs (Raphanus sativus). Zur selben Art gehören laut Wikipedia auch der große Speise- oder Winterrettich, der asiatische Daikon, der Öl-Rettich, den Landwirte als Gründüngung säen, und der Rattenschwanzrettich, von dem man die Schoten isst. Alle sind Kreuzblütler und damit entfernt mit Kohl, Senf und Rucola verwandt. Was wir als Knolle ernten, ist ein verdickter Abschnitt zwischen Wurzel und Keimblättern, das Hypokotyl. Seine Schärfe stammt aus Senfölen, die erst entstehen, wenn das Gewebe beim Schneiden oder Kauen verletzt wird.

Woher der Garten-Rettich ursprünglich stammt, ist nicht abschließend geklärt. Als wahrscheinliche Stammform gilt nach der Archäobotanikerin Udelgard Körber-Grohne der Strand-Rettich aus dem östlichen Mittelmeerraum. Das Gartenbau-Wiki Hortipendium verortet die Heimat der Radieschen ebenfalls im östlichen Mittelmeergebiet und im angrenzenden Vorderasien. Die englische Wikipedia dagegen sieht den Ursprung eher in Süd- und Ostasien, weil nur dort echte Wildformen gefunden wurden, und nennt China und Zentralasien als Zentren, in denen sich viele Formen entwickelt haben. Beide Linien haben ihre Belege; sicher ist nur, dass Rettiche sehr früh und an vielen Orten kultiviert wurden.

Vom Rettich zum Radieschen

Rettiche waren schon in der Antike bekannt. Der griechische Naturforscher Theophrast kannte verschiedene Sorten, und griechische und römische Autoren des ersten Jahrhunderts beschrieben kleine und große, runde und lange, milde und scharfe Formen. Die oft zitierte Geschichte, Herodot habe Rettiche in einer Inschrift an der Cheops-Pyramide erwähnt, hält Körber-Grohne allerdings nicht für glaubwürdig.

Bund roter Radieschen mit Laub als Stillleben auf einem alten Holztisch neben einer Tonschale
Das kleine, runde Radieschen ist in Europa erst seit dem 16. Jahrhundert verbreitet.

Das kleine Radieschen, wie wir es kennen, ist eine vergleichsweise junge Erscheinung. Laut Wikipedia hat es sich in Europa im 16. Jahrhundert etabliert, zunächst langsam in der französischen Küche und dann in ganz Europa. Hortipendium weist darauf hin, dass alte Schriften eher auf längliche Formen deuten. Der Name verrät die Verwandtschaft zur Wurzel: Er geht auf das lateinische radix zurück. Daneben sind die Namen Radies und, selten, Monatsrettich gebräuchlich. Heute ist Deutschland eines der wichtigsten Anbauländer in Europa.

Die Sorte 'Riesenbutter': groß, mild und lange zart

'Riesenbutter' bildet große, runde, kräftig rote Knollen mit weißem Fleisch und üppigem Laub. Ihr Aroma ist mild, aber charakteristisch würzig. Die Staatsschule für Gartenbau Stuttgart-Hohenheim führt sie als milde Sorte mit großen Knollen und viel Laub. Wichtiger für den Garten ist eine andere Eigenschaft: Die Knollen bleiben länger fest und knackig als bei vielen anderen Sorten, bevor sie pelzig oder holzig werden. Wer nicht jeden zweiten Tag im Beet steht, hat damit einen kleinen Puffer.

Bund großer roter Radieschen 'Riesenbutter' mit Laub auf einer Holzbank
'Riesenbutter' bildet große, runde Knollen mit weißem, mild-würzigem Fleisch.

Wer die Sorte gezüchtet und benannt hat und seit wann es sie gibt, ist nicht eindeutig überliefert. Einen Züchter, ein Jahr oder eine Region konnten wir nicht belegen. Belegt ist, dass 'Riesenbutter' beim Bundessortenamt als Radieschensorte geführt wird; im Blatt für Sortenwesen 2016 ist unter der Kennnummer R 504 die Eintragung eines weiteren Züchters verzeichnet. Das zeigt, dass die Sorte bis heute gepflegt und erhalten wird.

Radieschen säen und anbauen Schritt für Schritt

Aussaat

Laut Tüte säst du 'Riesenbutter' von Mitte März bis Anfang September direkt ins Beet. Zieh dafür flache Rillen mit 15 bis 20 cm Abstand, leg die Samen im Abstand von 8 bis 10 cm hinein und bedecke sie nur etwa 1 cm hoch mit Erde. Tiefer solltest du nicht säen: Wikipedia weist darauf hin, dass sich die Knollen bei zu tiefer Saat in die Länge ziehen. Wichtig ist gleichmäßige Feuchtigkeit während der Keimung. Bei 8 bis 15 °C erscheinen die Keimlinge nach 8 bis 10 Tagen. Säst du dichter, vereinzelst du die Pflanzen auf den genannten Abstand, sonst bleiben die Knollen klein.

Weil Radieschen so schnell keimen, sind sie auch eine beliebte Markiersaat: Ein paar Samen in der Reihe langsam keimender Kulturen zeigen früh, wo gesät wurde. Wie das bei Petersilie aussieht, beschreiben wir im Porträt Petersilie 'Gigante d'Italia'. Die Radieschen erntest du, lange bevor die Petersilie den Platz braucht.

Standort und Pflege

Radieschen mögen einen sonnigen Platz, im Hochsommer aber lieber etwas Halbschatten, damit sie nicht vorzeitig schießen. Der Boden sollte locker und humusreich sein; der Düngerbedarf ist gering. Ein großer Balkonkasten oder ein Hochbeet eignet sich ebenso, wie wir im Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen zeigen. Als Nachbarn gelten unter anderem Salat, Möhren, Spinat, Erbsen und Bohnen als verträglich; Gurken stehen auf der Liste der weniger geeigneten Nachbarn.

Das Wichtigste ist Wasser. Halte die Erde gleichmäßig feucht. Bei Trockenheit werden die Knollen holzig oder unangenehm scharf.

Warum Radieschen pelzig werden

Pelzige Radieschen haben innen ein schwammiges Gewebe. Die Staatsschule für Gartenbau beschreibt den Vorgang so: Mit zunehmendem Alter bilden sich in der Knolle Holzzellen und Hohlräume. Hitze und Trockenheit beschleunigen das, und auch überreife Knollen werden pelzig, wie der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde erklärt. Daraus ergeben sich zwei einfache Regeln: in trockenen Phasen regelmäßig gießen und nicht zu lange mit der Ernte warten. 'Riesenbutter' bleibt zwar länger zart als viele andere Sorten, aber auch sie verholzt irgendwann.

Gemüsebeet mit mehreren Radieschenreihen in verschiedenen Wachstumsstadien
Alle zwei Wochen eine neue Reihe: So erntest du laufend, statt alles auf einmal.

Ernte und Folgesaaten

Je nach Jahreszeit sind die Knollen bereits nach drei bis sechs Wochen erntereif. Im Frühjahr dauert es länger, im Sommer geht es schneller. Zieh die Radieschen, sobald sie ihre typische Größe erreicht haben, und probiere zwischendurch eine Knolle. Damit du nicht alles auf einmal ernten musst, säst du laut Tüte am besten alle zwei Wochen eine kleine Menge nach. So hast du von Frühling bis Herbst laufend frische Radieschen, ohne dass ein großer Satz im Beet überständig wird.

Im Kühlschrank halten sich Radieschen einige Tage, am besten mit entferntem Laub in einem feuchten Tuch. Das Laub entziehst du den Knollen dadurch nicht mehr, und es lässt sich gleich in der Küche verwenden.

Saatgut selbst gewinnen

Weil 'Riesenbutter' samenfest ist, wachsen aus deinen eigenen Samen wieder Pflanzen mit denselben Eigenschaften, sofern sie sich nicht mit anderen Radieschen oder Rettichen verkreuzt haben. Was samenfest genau bedeutet, erklären wir im Beitrag Was bedeutet samenfest?. Radieschen sind einjährig und bilden ihre Samen noch im selben Jahr.

Auslese: Die britische Organisation Garden Organic empfiehlt, die Knollen im Erntestadium aufzunehmen, die gesündesten und sortentypischsten nach Größe, Form und Farbe auszuwählen und sie sofort mit etwa 45 cm Abstand wieder einzupflanzen. Die Samenträger werden erstaunlich groß und buschig, oft über einen Meter hoch, und brauchen manchmal eine Stütze.

Bestäubung und Verkreuzung: Radieschen blühen weiß bis zartviolett und werden von Insekten bestäubt, vor allem von Bienen und Fliegen. Laut Garden Organic sind die zwittrigen Blüten weitgehend selbstunverträglich: Der Pollen muss von Pflanze zu Pflanze getragen werden, sonst bilden sich keine Schoten. Ältere Literatur beschreibt den Garten-Rettich teils als selbstfertil, in der Praxis bist du aber auf mehrere blühende Pflanzen angewiesen. Garden Organic rät zu 15 bis 20 Samenträgern, damit die Sorte vital bleibt. Weil Radieschen, Rettich, Daikon und Öl-Rettich zur selben Art gehören, können sie sich alle miteinander verkreuzen, auch mit dem wilden Hederich (Raphanus raphanistrum). Mit Kohl und anderen Kreuzblütlern kreuzen sie sich dagegen nicht. Garden Organic nennt für reines Saatgut einen Isolationsabstand von 1.000 Metern. Im Hausgarten heißt das: Lass im selben Jahr nur eine Radieschen- oder Rettichsorte blühen und achte auf blühenden Öl-Rettich in der Umgebung, etwa auf Feldern mit Gründüngung.

Schoten, Ernte und Trocknung: Nach der Blüte bilden sich die typischen Kreuzblütler-Schoten mit spitzem Ende. Die Samen sind reif, wenn die Schoten und Stängel hellbraun, trocken und knusprig sind. Weil Radieschenschoten kaum von selbst aufplatzen, kannst du in Ruhe warten, bis die meisten reif sind. Kleine Mengen brichst du von Hand auf; bei größeren Mengen schneidest du die trockenen Stängel ab, reibst die Schoten durch ein grobes Sieb oder klopfst sie in einem Kissenbezug aus und trennst die Spreu im Wind. Das Saatgut ist zur Aussaat bestimmt und nicht zum Verzehr.

Keimfähigkeit: Trocken, kühl und dunkel gelagert, bleiben Radieschensamen laut Garden Organic mindestens fünf Jahre keimfähig. Beschrifte die Tüte mit Sorte und Erntejahr und mach bei älterem Saatgut eine Keimprobe: zehn Samen auf feuchtes Küchenpapier, abdecken, warm stellen und nach einer Woche zählen.

In der Küche

Klassisch kommen Radieschen roh auf den Tisch: in Scheiben aufs Butterbrot, geviertelt in den Salat oder ganz als Snack zur Brotzeit. Eine Prise Salz mildert die Schärfe. Die großen Knollen von 'Riesenbutter' lassen sich gut in dünne Scheiben hobeln und bleiben dabei knackig.

Butterbrot mit Radieschenscheiben neben einem Glas Pesto aus Radieschenblättern
Genuss-Tipp von der Tüte: Aus den jungen Blättern wird ein würziges Pesto.

Unser Genuss-Tipp von der Tüte gilt dem Teil, den viele wegwerfen: Die jungen Blätter sind zu schade für den Kompost. Sie haben eine feine Schärfe ähnlich wie Rucola und passen in grüne Smoothies, in hausgemachtes Pesto oder in Kräuterquark. Für ein Radieschenblatt-Pesto verarbeitest du die Blätter wie Basilikum beim klassischen Pesto, mit Öl, Nüssen oder Kernen und etwas Hartkäse; wie das Original gelingt, zeigt unser Porträt Basilikum 'Genoveser'. Ältere Blätter werden etwas rau, lassen sich aber kurz gedünstet wie Spinat verwenden. Wer Saatgut zieht, kann auch ein paar junge, noch grüne Schoten probieren; sie schmecken mild rettichartig.

Häufige Fragen zu Radieschen 'Riesenbutter'

Wann kann man Radieschen säen?

Laut Tüte von Mitte März bis Anfang September direkt ins Beet. Für eine laufende Ernte säst du alle zwei Wochen eine kleine Menge nach. Im Hochsommer hilft ein halbschattiger Platz, damit die Pflanzen nicht schießen.

Wie tief sät man Radieschen?

Etwa 1 cm tief, die Samen also nur leicht mit Erde bedecken. Bei deutlich tieferer Saat ziehen sich die Knollen in die Länge.

Warum werden meine Radieschen pelzig oder holzig?

Meist durch Trockenheit, Hitze oder eine zu späte Ernte. Mit dem Alter bilden sich in der Knolle Holzzellen und Hohlräume. Gleichmäßig gießen und rechtzeitig ernten hilft am meisten.

Warum bilden Radieschen keine Knollen?

Häufige Gründe sind zu dichte Saat, zu wenig Licht oder Hitze und lange Sommertage, die die Blütenbildung auslösen. Vereinzle die Pflanzen auf 8 bis 10 cm und wähle im Sommer einen leicht schattigen Platz.

Kann man Radieschenblätter essen?

Ja. Die jungen Blätter haben eine feine Schärfe ähnlich wie Rucola und passen in Pesto, Smoothies oder Kräuterquark. Ältere Blätter kannst du kurz dünsten.

Kreuzen sich Radieschen mit Rettich?

Ja. Radieschen, Rettich und Öl-Rettich gehören zur selben Art und verkreuzen sich über Insekten. Wenn du Saatgut gewinnen willst, lass im selben Jahr nur eine Sorte blühen.

Radieschen 'Riesenbutter' bei BioGlück

Du findest Radieschen 'Riesenbutter' als Bio-Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt auch im Küchengarten-Set mit Karotte, Gurke und Pflücksalat, im Salatgarten-Set, im Naschgarten-Set und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Sorten unseres Stammsortiments. Alle weiteren Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, und einen Überblick über alle Porträts gibt das Sortenlexikon.

Quellen

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