Gurkenpflanzen an einem Rankgitter mit langen dunkelgrünen Salatgurken und gelben Blüten

Gurken anbauen und Samen gewinnen: Salatgurke 'Sonja'

Mark Breyer

Salatgurke 'Sonja' ist eine samenfeste Sorte für den Anbau im Freiland. Sie bildet dunkelgrüne Früchte mit festem Fleisch und mildem Aroma und neigt seltener zu Bitterstoffen als viele andere Sorten. Wer Gurken anbauen und im Herbst eigenes Saatgut ernten möchte, findet hier den Weg von der Vorkultur bis zur Samentüte.

Merkmal Salatgurke 'Sonja'
Botanischer Name Cucumis sativus
Art/Familie Gurke, Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Aussaat April Vorkultur, Mai–Juni Freiland
Keimung mindestens 10 °C, optimal 24 °C
Ernte ca. 80 Tage nach der Aussaat
Standort sonnig bis halbschattig, windgeschützt
Abstand 100 cm zwischen den Reihen, 30 cm in der Reihe
Saattiefe 1–2 cm
Wuchsform rankend
Samenfest ja
Bio aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006)

Gurken gelten als anspruchsvoll, dabei wollen sie vor allem drei Dinge: Wärme, Wasser und etwas, woran sie hochklettern können. Wer das bietet, erntet von einer Handvoll Pflanzen den ganzen Sommer über. Und weil 'Sonja' keine Hybride ist, kannst du aus einer einzigen vollreifen Frucht das Saatgut für das nächste Jahr gewinnen.

Herkunft: vom Fuß des Himalaya in den Garten

Die Gurke (Cucumis sativus) gehört zur Familie der Kürbisgewächse und ist damit mit Melone, Kürbis und Zucchini verwandt. Laut Wikipedia unterscheidet man im Wesentlichen zwei Sortengruppen: die Salat- oder Schlangengurke, die frisch gegessen wird, und die kleinere Einlege- oder Gewürzgurke. Beide sind ein und dieselbe Art, was für die Saatgutgewinnung noch wichtig wird.

Ihre Heimat liegt in Südasien. Als Wildform gilt die Varietät Cucumis sativus var. hardwickii, die in Indien vorkommt und sich bis heute frei mit unseren Kulturgurken kreuzen lässt. Die Botaniker Jules Janick und Harry Paris verorten den Ursprung in den Ausläufern des Himalaya in Indien und Nepal; von dort habe sich die Gurke nach China und nach Westen verbreitet. Domestiziert wurde sie nach Wikipedia etwa um 1500 v. Chr., die englische Wikipedia spricht von mindestens 3.000 Jahren Anbau.

Über Vorderasien ans Mittelmeer

Aus dem heutigen Irak sind Beschreibungen der Gurke aus der Zeit um 600 v. Chr. bekannt, aus dem Mittelmeerraum aus der Zeit um 200 v. Chr. Ältere Funde aus Ägypten und die „Gurken“ mancher Bibelübersetzungen lassen sich dagegen nicht sicher zuordnen. Wikipedia weist darauf hin, dass es sich dabei auch um Melonen gehandelt haben kann.

Alter Holzkasten mit geöffnetem Glasdeckel, darin junge Gurkenpflanzen auf dunkler Erde
Wärme ist bei Gurken alles: Schon Plinius erzählt von Gurkenbeeten unter durchscheinenden Abdeckungen.

Die bekannteste Geschichte stammt aus Rom. Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturgeschichte, Kaiser Tiberius sei so versessen auf Gurken gewesen, dass er nie ohne sie auskam. Man habe sie in Beeten auf Rädern gezogen, die tagsüber in die Sonne geschoben und im Winter unter Rahmen gestellt wurden, die mit Platten aus durchscheinendem Gestein (lapis specularis) abgedeckt waren. Ob es tatsächlich Gurken waren, ist allerdings umstritten. Janick und Paris verweisen in ihrer Studie von 2006 auf die Einschätzung, Plinius' Früchte seien wegen ihrer vielen Formen und weil sie reif von der Pflanze abfielen eher Melonen gewesen. Auch römische Mosaike zeigen sehr lange Früchte, die an langfrüchtige Melonen erinnern. Die Anekdote erzählen wir deshalb als das, was sie ist: eine schöne Überlieferung.

Ankunft in Mitteleuropa

Wann die Gurke Mitteleuropa erreichte, lässt sich nicht auf ein Jahr festlegen. Die englische Wikipedia nennt Gurkenanbau in den Gärten Karls des Großen um 800. Der Name verrät einen anderen Weg: „Gurke“ stammt aus dem altpolnischen ogurek, das im frühen Mittelalter aus den slawischen Sprachen übernommen wurde und über das mittelgriechische angoúrion auf ein Wort für „grün, unreif“ zurückgeht. Im Deutschen ist „Gurke“ erst seit dem 16. Jahrhundert belegt, damals mitunter auch für die Melone. In West- und Süddeutschland sagte man lange „Kukumer“ oder „Guckummer“, nach dem lateinischen cucumis. Spätestens im 16. Jahrhundert war die Gurke auch hierzulande vertraut: Die Kräuterbücher von Leonhart Fuchs (1542) und Hieronymus Bock (1546) bilden sie ab.

Die Sorte 'Sonja': eine samenfeste Freilandgurke

'Sonja' wurde für den Anbau im Freiland gezüchtet. Sie bildet lange, dunkelgrüne Früchte mit festem Fleisch und mildem Aroma und gilt als widerstandsfähig und ertragreich. Bei gleichmäßiger Bewässerung bleibt der Geschmack besonders mild.

Zwei dunkelgrüne Salatgurken, eine in Scheiben geschnitten, mit Gurkenblatt und gelber Blüte auf einem Holzbrett
'Sonja' bildet dunkelgrüne Früchte mit festem Fleisch und mildem Aroma.

Wichtiger als jede Beschreibung ist ein amtlicher Eintrag: Im Sortenregister des Bundessortenamts steht 'Sonja' als Salat- und Schälgurke mit dem Vermerk „freiabblühende Sorte“. Das ist die amtliche Bezeichnung für samenfest. Bei Salatgurken ist das keine Selbstverständlichkeit: Die meisten Sorten auf derselben Liste sind als Hybridsorte gekennzeichnet. Erstmals aufgeführt ist 'Sonja' im Sortenregister von 2011. Als Züchter war damals die Hild Samen GmbH in Marbach am Neckar eingetragen, heute ist es das französische Saatzuchtunternehmen Graines Voltz. Wer die Sorte ursprünglich gezüchtet hat, in welchem Jahr und woher der Name stammt, ist nicht eindeutig überliefert.

Gurken anbauen Schritt für Schritt

Vorkultur im April

Gurken sind Wärmekeimer. Laut Tüte keimen sie ab 10 °C, am besten aber bei etwa 24 °C. Zieh sie deshalb im April auf der warmen Fensterbank vor: zwei bis drei Samen 1 bis 2 cm tief in einen kleinen Topf mit Anzuchterde, gleichmäßig feucht halten und später den kräftigsten Keimling stehen lassen. Die Keimung dauert ein bis zwei Wochen. Gurken mögen es nicht, wenn ihre Wurzeln gestört werden; einzelne Töpfe ersparen dir das Pikieren. Wie eine Vorkultur bei Wärme liebenden Fruchtgemüsen abläuft, zeigen wir auch im Porträt Tomate 'Berner Rose'.

Ohne Vorkultur geht es auch: Laut Produktbeschreibung säst du ab Mitte Mai direkt ins Freiland, unter Vlies schon ab Mitte April. Leg dann vier Samenkörner in jedes Pflanzloch und lass später die stärksten stehen.

Pflanzung und Standort

Ins Beet kommen die Jungpflanzen ab Mai, wenn keine Nachtfröste mehr drohen. Gurken sind kälteempfindlich; ein Platz an einer warmen Wand oder ein Vlies in kühlen Nächten hilft beim Start. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig und vor allem windgeschützt sein, der Boden locker und humos. Arbeite vor der Pflanzung reichlich Kompost ein. Die Tüte nennt 100 cm zwischen den Reihen und 30 cm in der Reihe. Auf schweren, kalten Böden empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung auf landwirtschaft.de, die Gurken auf einen kleinen Hügel aus Erde und Kompost zu setzen, damit sich der Wurzelraum schneller erwärmt.

Rankhilfe

Gurken klettern gern. Ein Gitter, ein Maschendraht oder gespannte Schnüre sparen Platz, halten die Früchte sauber und lassen die Blätter nach Regen schneller abtrocknen. Leite die Triebe in den ersten Wochen locker an die Rankhilfe, danach halten sie sich mit ihren Ranken selbst fest. Im großen Kübel funktioniert das auf dem Balkon ebenso, wie wir im Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen beschreiben.

Reihe von Gurkenpflanzen an einem Drahtgitter mit hängenden Salatgurken und Strohmulch
An einem Gitter wachsen Gurken platzsparend, und die Früchte bleiben sauber.

Gießen und Bitterstoffe

Gurken bestehen zum größten Teil aus Wasser und brauchen gleichmäßig viel davon. Gieß lieber regelmäßig und durchdringend, am besten morgens und an den Wurzeln statt über die Blätter. Eine Mulchschicht hält die Feuchtigkeit im Boden.

Das hat auch mit dem Geschmack zu tun. Bitter schmeckende Gurken enthalten sogenannte Cucurbitacine, Bitterstoffe, die in vielen Kürbisgewächsen vorkommen. Laut Wikipedia entscheidet bei Gurken ein einzelnes Erbmerkmal, ob eine Pflanze sie überhaupt anreichern kann. Bei veranlagten Pflanzen fördern Stress wie Hitze, starke Temperaturschwankungen und der Wechsel von nass und trocken die Bildung. 'Sonja' neigt laut Sortenbeschreibung seltener zu Bitterstoffen als viele andere Sorten; gleichmäßiges Gießen hilft trotzdem, sie zu vermeiden. Schmeckt eine Frucht deutlich bitter, isst du sie besser nicht.

Ernte und Lagerung

Die ersten Früchte sind laut Tüte etwa 80 Tage nach der Aussaat erntereif. Ernte sie früh und regelmäßig: Dann steckt die Pflanze ihre Kraft nicht in eine einzelne große Gurke, sondern bildet weiter Blüten und Früchte. Schneide die Gurken mit einem Messer ab, statt an der Ranke zu ziehen. Für die Küche erntest du sie fest und grün; eine Gurke, die am Stock gelb wird, ist überreif und nur noch für die Saatgutgewinnung interessant. Frische Gurken lagerst du nach Angaben von landwirtschaft.de am besten bei etwa 15 °C, zum Beispiel im kühlen Keller, statt im kalten Kühlschrank.

Im nächsten Jahr sollten Gurken nicht auf dasselbe Beet. Landwirtschaft.de rät, Gurken, Kürbis und Zucchini erst nach vier Jahren wieder an dieselbe Stelle zu setzen.

Saatgut selbst gewinnen

Weil 'Sonja' samenfest ist, wachsen aus deinen Samen wieder Pflanzen mit denselben Eigenschaften, sofern keine andere Gurkensorte mitgemischt hat. Was samenfest genau bedeutet, erklären wir im Beitrag Was bedeutet samenfest?.

Blüten und Bestäubung: Die Gurke ist einhäusig. An einer Pflanze wachsen männliche Blüten, meist zu mehreren in den Blattachseln, und weibliche Blüten, die du an dem kleinen Fruchtansatz unter der Blüte erkennst. Bestäubt werden sie von Insekten, vor allem von Bienen. Laut der Saatgut-Anleitung von DIYseeds ist Selbstbefruchtung möglich, Fremdbestäubung zwischen Pflanzen aber häufiger.

Verkreuzung und Abstand: Alle Sorten der Art Cucumis sativus kreuzen sich untereinander, also auch deine Salatgurke mit der Einlegegurke aus dem Nachbarbeet. Mit Melonen, Wassermelonen, Kürbissen und Zucchini kreuzt sich die Gurke dagegen nicht. DIYseeds nennt für reines Saatgut einen Abstand von 1 km zwischen zwei Sorten, mit natürlicher Barriere 500 m. Im Hausgarten heißt das: Lass im selben Jahr nur eine Gurkensorte blühen und frag gegebenenfalls in den Nachbargärten nach.

Anzahl der Pflanzen: Für eine gute genetische Breite empfiehlt DIYseeds mindestens sechs, besser zwölf Pflanzen. Wer nur wenige Pflanzen hat, sammelt die Samen aus mehreren Früchten verschiedener Pflanzen.

Fruchtreife: Markiere früh im Sommer eine schöne, sortentypische Frucht an einer kräftigen Pflanze und lass sie hängen. Erntereif für Saatgut ist sie erst, wenn sie ihre volle Größe erreicht hat und die Farbe umgeschlagen ist: Die Schale wird gelb bis orangebraun und die Frucht etwas weicher. Plane das ein, denn solange eine Samenfrucht reift, setzt die Pflanze weniger neue Gurken an.

Fermentation und Trocknung: Schneide die reife Frucht längs auf und kratze Samen und Fruchtmark in ein Glas. Lass die Masse mit etwas Wasser einige Tage stehen, bis sie leicht gärt. Dabei löst sich die glitschige Hülle um die Samen. Danach gießt du alles in reichlich Wasser: Gute Samen sinken nach unten, leere schwimmen oben und werden abgegossen. Spül die Samen in einem Sieb, verteile sie dünn auf einem Teller oder Backpapier und lass sie an einem luftigen, schattigen Ort vollständig trocknen. Das Prinzip kennst du vielleicht von Tomatensamen. Das Saatgut ist zur Aussaat bestimmt und nicht zum Verzehr.

Keimfähigkeit: Trocken, kühl und dunkel gelagert, bleiben Gurkensamen laut DIYseeds etwa sechs Jahre keimfähig, manchmal länger. Beschrifte die Tüte mit Sorte und Erntejahr und mach bei älterem Saatgut eine Keimprobe: zehn Samen auf feuchtes Küchenpapier, warm stellen und nach einer Woche zählen.

In der Küche

Unser Genuss-Tipp von der Tüte: Ernte 'Sonja' am besten, solange sie schlank ist. Dann ist die Schale zart und das Aroma am intensivsten. Weil die Sorte kaum zu Bitterstoffen neigt, kannst du die Gurken mit Schale essen.

Schüssel mit Gurkensalat mit Dill neben einer ganzen dunkelgrünen Salatgurke
Genuss-Tipp von der Tüte: schlank geerntet und mit Schale, klassisch als Gurkensalat mit Dill.

Der Klassiker ist der Gurkensalat mit Dill, wahlweise mit Essig und Öl oder mit einem Dressing aus Joghurt oder saurer Sahne. Hobel die Gurke dafür in dünne Scheiben, salze sie leicht und gieß das austretende Wasser ab, bevor du das Dressing untermischst. Gurkenstreifen passen in die Brotdose und auf die Vesperplatte, gewürfelt in Tzatziki oder in einen gemischten Sommersalat mit Blattsalat aus dem eigenen Beet, etwa mit Pflücksalat 'Amerikanischer Brauner'. Wer zu viele Gurken auf einmal hat, kann sie kurz in Essig, Zucker und Salz einlegen und als schnelle Sauergurken im Kühlschrank aufbewahren.

Häufige Fragen zu Salatgurke 'Sonja'

Wann kann man Gurken anpflanzen?

Vorziehen kannst du 'Sonja' laut Tüte ab April. Ins Freiland kommen Jungpflanzen oder Direktsaat im Mai und Juni, wenn kein Frost mehr droht; unter Vlies ist eine Direktsaat schon ab Mitte April möglich.

Welche Rankhilfe für Gurken?

Alles, woran sich die Ranken festhalten können: ein Gitter, Maschendraht, ein Bambusgerüst oder senkrecht gespannte Schnüre. Wichtig ist, dass die Rankhilfe stabil ist und das Gewicht der Pflanzen samt Früchten trägt.

Warum sind Gurken bitter?

Verantwortlich sind Cucurbitacine, Bitterstoffe der Kürbisgewächse. Ob eine Pflanze sie bildet, ist erblich; bei veranlagten Pflanzen fördern Hitze, Temperaturschwankungen und Wechsel von nass und trocken die Bildung. Gleichmäßiges Gießen hilft. Deutlich bittere Früchte isst du besser nicht.

Was mögen Gurkenpflanzen gar nicht?

Kälte, Wind, kaltes Gießwasser und Trockenheit. Auch dauerhaft nasse Blätter sind ungünstig, weil sie Pilzkrankheiten fördern. Gieß deshalb morgens an den Wurzeln.

Welche Fruchtfolge folgt auf Gurken?

Nach Gurken sollten mehrere Jahre lang keine Kürbisgewächse auf dasselbe Beet. Landwirtschaft.de rät, Gurken, Kürbis und Zucchini erst nach vier Jahren wieder an dieselbe Stelle zu setzen.

Kreuzen sich Gurken mit Kürbis oder Zucchini?

Nein. Gurken kreuzen sich nicht mit Kürbis, Zucchini oder Melone, wohl aber mit allen anderen Gurkensorten, auch mit Einlegegurken. Für eigenes Saatgut sollte deshalb nur eine Gurkensorte blühen.

Salatgurke 'Sonja' bei BioGlück

Du findest Salatgurke 'Sonja' als Bio-Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt auch im Küchengarten-Set mit Radieschen, Karotte und Pflücksalat, im Salatgarten-Set mit Pflücksalat, Radieschen 'Riesenbutter' und Tomate 'Berner Rose' sowie im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Sorten unseres Stammsortiments. Alle weiteren Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, und einen Überblick über alle Porträts gibt das Sortenlexikon.

Quellen

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