Pflücksalat anbauen: Sortenporträt 'Amerikanischer Brauner'
Mark BreyerShare
Pflücksalat 'Amerikanischer Brauner' ist ein samenfester Blattsalat, der keinen Kopf bildet, sondern eine lockere Rosette aus hellgrünen, gewellten Blättern mit rotbraun getönten Rändern. Du erntest nicht die ganze Pflanze auf einmal, sondern pflückst über Wochen immer wieder die äußeren Blätter. Das Herz bleibt stehen und treibt nach. Die Sorte gilt als spät schießend und eignet sich deshalb auch für den Sommer.
| Merkmal | Pflücksalat 'Amerikanischer Brauner' |
|---|---|
| Botanischer Name | Lactuca sativa var. crispa |
| Art/Familie | Gartensalat, Korbblütler (Asteraceae) |
| Aussaat | März bis August als Direktsaat |
| Ernte | Mai bis Oktober, ca. 6–8 Wochen nach der Aussaat |
| Standort | sonnig bis halbschattig |
| Abstand | 25 cm zwischen den Reihen, 10–15 cm in der Reihe |
| Saattiefe | 0,5–1 cm; Lichtkeimer, nur dünn bedecken |
| Samenfest | ja |
| Bio | aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006) |
Pflücksalat ist der Salat für alle, die nicht jede Woche einen ganzen Kopf brauchen, sondern lieber täglich eine Handvoll frische Blätter holen. Wie das funktioniert, woher der Gartensalat überhaupt stammt und warum gerade Salat für den Einstieg ins eigene Saatgut so gut geeignet ist, erfährst du in diesem Porträt.
Herkunft: vom stacheligen Lattich zum Blattsalat
Aller Gartensalat, ob Kopf-, Römer- oder Pflücksalat, gehört zu einer einzigen Art: Lactuca sativa aus der Familie der Korbblütler, verwandt mit Löwenzahn, Endivie und Zichorie. Als Stammform gilt laut Wikipedia der Stachel-Lattich (Lactuca serriola). Diese Wildpflanze wächst bis heute an sonnigen Wegrändern, auf Schutt- und Brachflächen und ist leicht zu erkennen: Ihre Blätter sind am Rand dornig gezähnt und stehen oft senkrecht, häufig in Nord-Süd-Richtung, weshalb man sie auch „Kompasspflanze“ nennt. Genetisch stehen sich Stachel-Lattich und Gartensalat so nahe, dass manche Botaniker eine Trennung in zwei Arten für kaum gerechtfertigt halten.
Beide führen einen weißen Milchsaft, besonders in Stängeln und Blütenständen. Daher hat die Gattung ihren Namen: Lactuca leitet sich vom lateinischen lac für Milch ab.
Zuerst eine Ölpflanze
Überraschend ist, wofür der Mensch den Lattich zuerst nutzte. Eine große Genomstudie mit 445 Herkünften (Wei et al., Nature Genetics 2021) kommt zu dem Schluss, dass die Wildpflanze vor etwa 6000 Jahren im Raum des Kaukasus in Kultur genommen wurde, und zwar zunächst wegen ihrer ölhaltigen Samen. Ausgelesen wurden Pflanzen, deren Samen nicht gleich ausfallen und deren Blätter keine Stacheln tragen. Im alten Ägypten wurde aus der Ölpflanze ein Blattgemüse: Rund 4500 Jahre alte Reliefs zeigen eine Pflanze, die an Römersalat erinnert, und der Salat galt dort als heilige Pflanze des Fruchtbarkeitsgottes Min.
Griechen und Römer bauten Salat als Blattgemüse an und entwickelten ihn weiter; der römische Agrarschriftsteller Columella beschrieb um 50 n. Chr. bereits mehrere Sorten. Mit dem Römischen Reich verbreitete sich der Salat langsam durch Europa.

Mitteleuropa: das Land des Schnittsalats
In Mitteleuropa ist Gartensalat nach Wikipedia erst seit der Zeit Karls des Großen verbreitet; er kam aus den Klostergärten in die Bauerngärten. Dabei bildeten sich regionale Vorlieben heraus: Während man in romanischen Ländern den länglichen Bindesalat bevorzugte, war in Mitteleuropa der Schnittsalat mit seinen locker in einer Rosette stehenden Blättern verbreitet. Zu ihm gehört botanisch auch der Pflücksalat, die Varietät crispa.
Ist der Pflücksalat also die ursprünglichste Salatform? Ganz so einfach ist es nicht. Die frühesten Abbildungen aus Ägypten zeigen eher aufrechte, römersalatähnliche Pflanzen. Sicher ist aber, dass der feste Kopf eine junge Errungenschaft ist: Kopfsalat gilt als Züchtung vom Beginn der Neuzeit. 1586 beschrieb der Botaniker Joachim Camerarius die drei Grundtypen Kopfsalat, Pflücksalat und Römersalat. Die offene Rosette des Pflücksalats steht der Wildform jedenfalls näher als jeder Kopf. Und sie ist bis heute verbreitet: Die englische Wikipedia nennt den Blatt- oder Pflücksalat den weltweit am häufigsten angebauten Salattyp.
Die Sorte 'Amerikanischer Brauner'
'Amerikanischer Brauner' bildet große, lockere Rosetten. Die Blätter sind gewellt und leicht gekraust, innen hellgrün und zu den Rändern hin rotbraun überhaucht; die Pflanzendatenbank NaturaDB beschreibt sie als „braun getuscht“ und den Geschmack als sehr zart. Wie kräftig die Tönung ausfällt, kann je nach Standort und Licht etwas schwanken.

Wichtig für den Sommeranbau: Die Sorte schießt spät, das heißt, sie bildet erst vergleichsweise spät einen Blütenstängel. Das verlängert die Zeit, in der du Blätter pflücken kannst. Ganz verhindern lässt sich das Schossen bei keinem Salat, dazu gleich mehr.
Woher die Sorte stammt, ist nicht eindeutig überliefert. Im Saatguthandel wird sie häufig als alte Sorte aus den USA des 19. Jahrhunderts beschrieben, in den Niederlanden ist sie auch unter dem Namen 'Amerikaanse Roodrand' („Amerikanischer Rotrand“) bekannt. Einen Züchter, ein Jahr oder eine unabhängige historische Quelle für diese Herkunft konnten wir nicht finden. Gesichert ist, dass 'Amerikanischer Brauner' seit Langem zu den bekanntesten Pflücksalaten im deutschsprachigen Raum gehört.
Pflücksalat anbauen Schritt für Schritt
Aussaat
Laut Tüte säst du 'Amerikanischer Brauner' von März bis August direkt ins Beet, ins Hochbeet oder in einen Balkonkasten. Salat ist ein Lichtkeimer, genau wie Basilikum 'Genoveser': Bedecke die Samen deshalb nur dünn mit Erde, drück sie leicht an und halte den Boden bis zur Keimung gleichmäßig feucht. Die Reihen legst du mit 25 cm Abstand an; später vereinzelst du die Pflänzchen auf 10 bis 15 cm.
Bei großer Sommerhitze keimt Salat schlecht: Nach der englischen Wikipedia keimen Salatsamen oberhalb von etwa 27 °C meist kaum noch. Säst du im Hochsommer, wähle deshalb einen halbschattigen Platz, säe am Abend und halte die Saatreihe kühl und feucht.
Folgesaaten für die ganze Saison
Der eigentliche Trick beim Pflücksalat ist das Nachsäen. Säst du etwa alle drei Wochen eine kleine Menge, stehen immer Pflanzen in unterschiedlichem Alter im Beet. Wenn die ersten nachlassen, sind die nächsten schon erntereif. So reicht die Ernte von Mai bis in den Oktober.

Standort und Pflege
Pflücksalat mag lockeren, humosen Boden, der gleichmäßig feucht bleibt. Ein sonniger bis halbschattiger Platz passt; im Hochsommer schützt Halbschatten die zarten Blätter vor dem Austrocknen. Gieße am besten morgens und direkt an den Boden, damit die Blätter über Nacht nicht nass bleiben. Weil Pflücksalat flach wurzelt und nicht viel Platz braucht, eignet er sich gut für Kästen und Töpfe; mehr dazu liest du in unserem Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen.
Ernte: laufend statt auf einmal
Etwa sechs bis acht Wochen nach der Aussaat kannst du mit der Ernte beginnen. Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder pflückst du immer nur die äußeren, großen Blätter und lässt das Herz in der Mitte stehen. Oder du schneidest die ganze Rosette etwa zwei Finger breit über dem Boden ab; aus dem Stumpf treibt sie dann erneut aus. Das Prinzip kennst du vielleicht von der Petersilie: Wer das Herz schont, erntet länger. Am knackigsten sind die Blätter frühmorgens.
Wenn der Salat schießt
Irgendwann im Sommer streckt sich jede Salatpflanze: Aus der Mitte wächst ein Stängel, die Blätter werden kleiner und der Milchsaft macht sie bitter. Ausgelöst wird das vor allem durch Wärme und lange Tage. Der Verein ARCHE NOAH schreibt, dass gerade ältere, traditionelle Sorten bei höheren Temperaturen und länger werdenden Tagen zu schossen beginnen. Regelmäßiges Pflücken, gleichmäßige Feuchtigkeit und ein Platz im Halbschatten können das hinauszögern. Hat eine Pflanze einmal geschossen, ernte die restlichen Blätter oder lass sie stehen: Sie liefert dir dein eigenes Saatgut.
Salat lässt sich nicht lagern wie Wurzelgemüse. Gewaschen und gut abgetropft hält er im Kühlschrank in einem feuchten Tuch ein bis zwei Tage; besser ist es, nur so viel zu pflücken, wie du gleich verwendest.
Saatgut selbst gewinnen
Salat ist eine der dankbarsten Arten für den Einstieg in die Samengärtnerei. Weil 'Amerikanischer Brauner' samenfest ist, wachsen aus deinen eigenen Samen wieder Pflanzen mit denselben Eigenschaften. Was das genau bedeutet, erklären wir im Beitrag Was bedeutet samenfest?.
Bestäubung und Verkreuzung: Salat ist ein Selbstbestäuber. Nach den Qualitätsstandards von ARCHE NOAH findet die Bestäubung meist schon statt, bevor sich die kleinen gelben Blüten öffnen. Insekten, vor allem Schwebfliegen, verursachen nur sehr selten eine Fremdbefruchtung; die ältere Samenbauliteratur nennt 1,5 bis 2 Prozent. Für den Hausgarten genügen deshalb einige Meter Abstand zwischen zwei Salatsorten. Gelegentliche Ausreißer erkennst du im nächsten Jahr sofort an Blattform oder Farbe. So entstand übrigens auch manche Sorte: Der bekannte Kopfsalat 'Maikönig' wurde laut ARCHE NOAH 1913 als Findling in einer anderen Sorte entdeckt.
Auswahl der Samenträger: Für Saatgut säst du möglichst früh im Jahr, damit die Samen im trockenen Hochsommer reifen. Markiere mehrere schöne, typische Pflanzen, am besten rund zehn, damit die Sorte nicht genetisch verarmt. Ein wichtiger Hinweis aus den Saatguttipps von ARCHE NOAH: Nimm nie die Pflanzen, die als erste schießen. Sonst wählst du unbeabsichtigt genau das frühe Schossen aus, das du beim Pflücksalat vermeiden willst. Die Blütenstängel werden hoch und sollten an einem Stab festgebunden werden; welke Blätter unten entfernst du, damit nichts fault.
Reife und Ernte: Die Samen reifen nach und nach, etwa 12 bis 24 Tage nach der Blüte. Reife Körbchen öffnen sich zu kleinen weißen Schirmchen wie beim Löwenzahn, und dann ist Eile geboten, sonst fliegen die Samen davon. Ein einfacher Test: Zerreibe ein Körbchen zwischen Daumen und Zeigefinger. Fallen die Samen heraus, sind sie reif; fühlt es sich noch teigig an, wartest du. Am einfachsten neigst du die Blütenstände über einen Eimer und klopfst die reifen Samen hinein, und das wiederholst du nach einigen Tagen. Regen spült reifende Samen leicht aus; bei nassem Wetter kannst du die ganze Pflanze ausziehen und unter Dach kopfüber nachreifen lassen.
Trocknen und Reinigen: Lass die Ernte in einem Stoffbeutel an einem luftigen Ort gut nachtrocknen. Mehr als die Hälfte davon sind Härchen, Hüllen und taube Samen. Siebe zuerst die groben Teile aus und blase dann vorsichtig die leichten Reste weg. Für den Hausgebrauch reicht das völlig. Das Saatgut ist zur Aussaat bestimmt und nicht zum Verzehr.
Keimfähigkeit: Kühl, trocken und dunkel gelagert bleiben Salatsamen nach ARCHE NOAH mindestens drei Jahre keimfähig. Beschrifte die Tüte mit Sorte und Erntejahr. Ernte keine Samen von Pflanzen mit gescheckten, mosaikartig verfärbten Blättern, denn das Salatmosaikvirus kann mit dem Saatgut weitergegeben werden.
In der Küche
Unser Genuss-Tipp von der Tüte: Pflücksalat welkt schneller als Kopfsalat, weil seine Blätter feiner sind. Ernte ihn deshalb erst kurz vor der Mahlzeit. Seine rotbraune Färbung macht sich gut in gemischten Salaten, klassisch mit einem Honig-Senf-Dressing aus Senf, Honig, Essig und Öl.

Weil die Blätter so zart sind, vertragen sie keine schweren Saucen und sollten erst am Tisch angemacht werden; sonst fallen sie zusammen. Wasche sie kurz in kaltem Wasser und schleudere sie trocken, damit das Dressing gut haftet. Die kleinen Blätter aus der Rosettenmitte schmecken besonders mild, die äußeren etwas kräftiger. Zusammen mit Radieschen, Gurke und Tomate wird daraus ein einfacher Sommersalat.
Häufige Fragen zu Pflücksalat 'Amerikanischer Brauner'
Was ist der Unterschied zwischen Pflücksalat und Kopfsalat?
Beide gehören zur selben Art. Kopfsalat bildet einen geschlossenen Kopf, den du auf einmal erntest. Pflücksalat bildet eine lockere Rosette ohne Kopf, von der du über Wochen immer wieder einzelne Blätter pflückst.
Wie erntet man Pflücksalat richtig?
Pflücke immer die äußeren Blätter und lass das Herz in der Mitte stehen, dann treibt die Pflanze nach. Alternativ schneidest du die ganze Rosette zwei Finger breit über dem Boden ab; auch dann wächst sie wieder aus.
Wie lange kann man von einer Pflanze ernten?
Mehrere Wochen, bis die Pflanze schießt. Danach werden die Blätter klein und bitter. Mit Folgesaaten etwa alle drei Wochen hast du laut Tüte von Mai bis Oktober frischen Salat.
Kann man Pflücksalat auf dem Balkon anbauen?
Ja. Pflücksalat wurzelt flach und braucht wenig Platz, ein Balkonkasten mit guter Erde reicht. Wichtig ist gleichmäßige Feuchtigkeit; im Hochsommer ist ein halbschattiger Platz günstiger als volle Mittagssonne.
Warum wird mein Salat bitter?
Meist hat er zu schießen begonnen. Hitze, lange Tage und Trockenheit fördern das. Gleichmäßig gießen, regelmäßig pflücken und rechtzeitig nachsäen hilft; geschossene Pflanzen kannst du für die Saatgutgewinnung stehen lassen.
Pflücksalat 'Amerikanischer Brauner' bei BioGlück
Du findest Pflücksalat 'Amerikanischer Brauner' als Bio-Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt auch im Salatgarten-Set mit Radieschen, Salatgurke und Tomate, im Küchengarten-Set mit Radieschen, Karotte und Gurke und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Sorten unseres Stammsortiments. Alle weiteren Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, und einen Überblick über alle Porträts gibt das Sortenlexikon.
Quellen
- Wikipedia: Gartensalat (Systematik, Stammart, Geschichte in Mitteleuropa, Varietäten, Milchsaft, Blüte)
- Wikipedia: Stachel-Lattich (Wildform, Kompasspflanze, Standort)
- Wikipedia (englisch): Lettuce (Ägypten, Columella, Camerarius 1586, Salattypen, Keimung und Schossen bei Hitze)
- Wei, T. et al. (2021): Whole-genome resequencing of 445 Lactuca accessions reveals the domestication history of cultivated lettuce. Nature Genetics 53, 752–760
- Phys.org: The DNA of lettuce unraveled – 6000 years from weed to beloved vegetable (Zusammenfassung der Studie)
- NaturaDB: Blattsalat 'Amerikanischer Brauner' (Sortenbeschreibung)
- ARCHE NOAH: Tipps zur Saatgutgewinnung von Salat (nach dem Handbuch Samengärtnerei, Heistinger 2010)
- ARCHE NOAH: Qualitätsstandards für die Saatgutvermehrung – Salat (Bestäubungsbiologie, Schossen, Samenernte)