Hokkaido-Kürbis anbauen: Sortenporträt 'Uchiki Kuri' aus Japan
Mark BreyerShare
'Uchiki Kuri' ist der Kürbis, den die meisten schlicht „Hokkaido“ nennen: ein handlicher, leuchtend orangeroter Riesenkürbis (Cucurbita maxima), dessen Schale beim Kochen weich wird und mitgegessen werden kann. Die Sorte stammt aus Japan, ihr Name erzählt von einem Stadtteil in Kanazawa und von Esskastanien. Wenn du Hokkaido-Kürbis anbauen und später eigenes Saatgut gewinnen möchtest, findest du hier alles von der Herkunft bis zur Samenernte.
| Steckbrief | Hokkaido-Kürbis 'Uchiki Kuri' |
|---|---|
| Botanischer Name | Cucurbita maxima |
| Art/Familie | Riesenkürbis, Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) |
| Aussaat (Voranzucht) | März bis April |
| Pflanzung/Freiland | Mai bis Juni |
| Ernte | August bis Oktober, ca. 80 Tage nach Aussaat |
| Standort | Sonnig, geschützt, frostempfindlich |
| Wasser | Hoher Bedarf |
| Abstand | 150 × 100 cm |
| Saattiefe | 2–3 cm |
| Wuchs | Rankt, 1–2 m² Platzbedarf |
| Früchte | etwa 1,5 kg |
| Samenfest | ja |
| Bio | aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006) |
Herkunft: ein Kürbis aus den Anden
Die Gattung Cucurbita umfasst mehrere Kulturarten, die auf verschiedenen Teilen des amerikanischen Kontinents entstanden sind. Gartenkürbis, Zucchini und Ölkürbis gehören zu Cucurbita pepo, das aus Mesoamerika stammt. Der Butternut ist ein Moschuskürbis (Cucurbita moschata), ebenfalls lateinamerikanischer Herkunft. Der Hokkaido dagegen ist ein Riesenkürbis, Cucurbita maxima, und der kommt aus Südamerika.
Als Wildform des Riesenkürbisses gilt Cucurbita maxima subsp. andreana, die in Argentinien und Uruguay wächst. Ihre kleinen Früchte sind ungenießbar, sie kreuzt sich aber bereitwillig mit den Kulturformen. Domestiziert wurde die Art vor mehr als 4.000 Jahren, vermutlich im Norden Argentiniens am Rand der Anden oder in Andentälern. Wie alle wilden Kürbisse enthält die Wildform Cucurbitacine, Bitterstoffe, die in Kultursorten weitgehend weggezüchtet sind.
Vor Kolumbus wurde C. maxima nach heutigem Wissen nur in Südamerika angebaut. Nach Europa kam die Art im frühen 16. Jahrhundert. Die ältesten bekannten Abbildungen finden sich in Rom: In den Fruchtgirlanden der Villa Farnesina, gemalt zwischen 1515 und 1518, haben die Botaniker Jules Janick und Harry Paris gleich drei unterscheidbare Formen des Riesenkürbisses identifiziert. Das erste Bild in einem gedruckten Kräuterbuch folgte erst 1576 bei Matthias de L’Obel. Laut Janick und Paris kommt C. maxima mit gemäßigt warmem Klima besser zurecht als mit den Tropen – eine Erklärung dafür, warum sie sich gerade in Europa und im kühleren Norden Japans so gut eingelebt hat.

Die Sorte: von Fukushima nach Kanazawa
Nach Japan kamen Kürbisse zweimal. Im 16. Jahrhundert brachten portugiesische Schiffe den Moschuskürbis nach Kyūshū; das japanische Wort „kabocha“ geht auf „Camboja“, also Kambodscha, zurück. Der Riesenkürbis folgte erst 1863 aus Amerika und verbreitete sich zunächst in den kühlen Regionen, vor allem auf Hokkaidō. In Japan heißt er bis heute „seiyō kabocha“, westlicher Kürbis.
Die Geschichte von 'Uchiki Kuri' beginnt in der Präfektur Fukushima. Dort war um 1916 in der Region Aizu aus westlichen Kürbissen ein rotschaliger Kürbis entstanden, der „Akagawa-Kuri“. 1933 brachte der Landwirt Saichirō Matsumoto Samen davon in seinen Wohnort Utsugi, einen Stadtteil von Kanazawa in der Präfektur Ishikawa. Über Jahre wählte er Pflanzen mit gutem Fruchtansatz und schöner Farbe aus; um 1943 galt die Sorte als gefestigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg breitete sich der Anbau in Kanazawa aus, ab etwa 1952 wurden die Kürbisse auch in die Regionen um Osaka und Tokio verschickt. Welche westliche Sorte ganz am Anfang stand, ist nicht eindeutig überliefert: Die deutschsprachige Wikipedia nennt den 1878 eingeführten 'Hubbard', die japanischen Quellen nur den Kürbis aus Aizu.
Der japanische Name lautet „Utsugi akagawa amaguri kabocha“: Kürbis aus Utsugi mit roter Schale (akagawa) und süßer Kastanie (amaguri). „Kuri“ ist das japanische Wort für Esskastanie – ein Hinweis auf das nussige, an Maronen erinnernde Fruchtfleisch. Aus der Ortsbezeichnung Utsugi wurde im Westen „Uchiki“. Warum, ist nicht belegt; die Schriftzeichen lassen sich unterschiedlich lesen. In Kanazawa gehört der Kürbis zu den „Kaga-Gemüsen“, einer Gruppe von 15 regionalen Sorten, die schon vor 1945 angebaut wurden und bis heute vorwiegend dort wachsen. Ob die in Europa verbreiteten Saatgutlinien unverändert auf Matsumotos Auslese zurückgehen, lässt sich nicht sicher sagen; 'Uchiki Kuri' gilt aber allgemein als diese Sorte.
Wie der Kürbis zu „Hokkaido“ wurde
Den Namen „Hokkaido“ trägt der Kürbis nur im deutschen Sprachraum. Laut Wikipedia stammte das erste nach Deutschland eingeführte Saatgut von der Insel Hokkaidō, und der in Stuttgart lebende japanische Lebensmittelhändler Hiroshi Kozaki verkaufte den Kürbis deshalb unter diesem Namen. Seit den 1990er-Jahren wird er auch in Europa angebaut. In Frankreich heißt er „potimarron“, in Großbritannien „onion squash“, in den USA meist „Red Kuri“.
Hokkaido-Kürbis anbauen: Schritt für Schritt
Gerade ist Erntezeit, und die nächste Aussaat liegt noch ein paar Monate entfernt. Laut Tüte beginnt sie mit der Voranzucht im März und April.
Aussaat und Voranzucht
Lege je ein bis zwei Samen 2–3 cm tief in einen Topf mit Anzuchterde und stelle ihn hell und warm auf. Bei Wärme zeigen sich die Keimlinge nach etwa sechs bis acht Tagen. Einzeln in Töpfen gezogen, lassen sich die Jungpflanzen später ohne große Wurzelstörung auspflanzen.
Pflanzung ins Freiland
'Uchiki Kuri' ist frostempfindlich. Ins Freiland kommt er laut Tüte im Mai oder Juni, in der Praxis meist erst nach den Eisheiligen. Plane großzügig: Die Tüte nennt 150 × 100 cm Abstand und 1–2 m² Platzbedarf je Pflanze. Ein Versuch der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern mit 'Uchiki Kuri' im ökologischen Anbau zeigt, warum: Bei engerem Stand (50 cm in der Reihe) fiel der Ertrag niedriger aus und die Früchte blieben leichter als bei 75 oder 100 cm.

Pflege
Der Standort sollte sonnig und geschützt sein, der Boden humusreich. Kürbisse gelten als Starkzehrer; reifer Kompost im Pflanzloch ist im Hausgarten verbreitet. Der Wasserbedarf ist laut Tüte hoch. Gieße am besten morgens und an den Wurzelbereich, nicht über die Blätter, denn feuchtes Laub begünstigt Mehltau. Die Ranken kannst du über den Boden leiten oder an einem stabilen Gerüst hochführen. Auch ein großer Kübel auf dem Balkon ist möglich, wenn genug Erde und Wasser da sind – mehr dazu in unserem Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen.
Ernte
Geerntet wird laut Tüte von August bis Oktober, etwa 80 Tage nach der Aussaat. Reife Früchte erkennst du an der durchgefärbten, harten Schale und am verholzten Stiel. Schneide den Kürbis mit einem Stück Stiel ab und ernte vor dem ersten Frost. Im Versuch in Mecklenburg-Vorpommern wurde Mitte September geerntet, nachdem das Laub abgestorben war.
Lagerung
Unverletzte Früchte mit Stiel lassen sich mehrere Monate lagern, kühl, aber frostfrei bei etwa 10 bis 15 °C. Kontrolliere die Vorräte regelmäßig und verbrauche Kürbisse mit weichen Stellen zuerst.
Saatgut selbst gewinnen
'Uchiki Kuri' ist eine samenfeste Sorte. Das heißt: Aus deinen eigenen Früchten kannst du Saatgut gewinnen, das wieder Pflanzen derselben Sorte hervorbringt – vorausgesetzt, die Blüten wurden nur mit Pollen der eigenen Sorte bestäubt. Was samenfest genau bedeutet, haben wir in einem eigenen Beitrag erklärt.
Bestäubung und Verkreuzung
Kürbisse tragen getrennte männliche und weibliche Blüten an derselben Pflanze. Weibliche Blüten erkennst du am kleinen Fruchtknoten unter der Blüte. Bestäubt werden sie von Insekten, vor allem Bienen und Hummeln. Kürbisse sind Fremdbefruchter, und laut ARCHE NOAH kreuzt sich C. maxima mit allen Sorten derselben Art. Dazu gehören Bananen-, Hubbard-, Buttercup- und Turbankürbisse, Kabocha und viele große Speisekürbisse.
Wichtig für alle, die mehrere Kürbisse anbauen: Auch unser Laternenkürbis 'Sankt Martin' ist ein Cucurbita maxima. Blühen beide gleichzeitig in deinem Garten, können sie sich gegenseitig bestäuben. Zucchini, Gartenkürbis und Ölkürbis (C. pepo) sowie Butternut (C. moschata) gehören zu anderen Arten. Kreuzungen zwischen den Arten sind selten und bringen meist wenige keimfähige Samen; zwischen C. maxima und C. moschata kommen sie aber vor.
Abstand oder Handbestäubung
ARCHE NOAH nennt für C. maxima einen Mindestabstand von 250 m zwischen zwei Sorten und empfiehlt mindestens sechs bis zwölf Samenträger, damit die Sorte genetisch breit bleibt. Im Erwerbsanbau werden deutlich größere Abstände empfohlen; das Bundeszentrum für Ernährung weist darauf hin, dass Insekten Kürbispollen bis zu einem Kilometer weit tragen können. Im Hausgarten ist deshalb die Handbestäubung der sicherere Weg:
- Suche am Abend männliche und weibliche Blüten, die sich am nächsten Morgen öffnen werden. Du erkennst sie an einem gelben Schimmer an den Spitzen der noch geschlossenen Blütenblätter.
- Verschließe diese Blüten mit Kreppband oder einer Wäscheklammer, damit keine Insekten hineinkommen.
- Pflücke am Morgen, sobald der Tau abgetrocknet ist, die männlichen Blüten, entferne die Blütenblätter und streiche den Pollen auf die Narbe der geöffneten weiblichen Blüte. Mehrere männliche Blüten, möglichst von verschiedenen Pflanzen, sind besser als eine.
- Verschließe die weibliche Blüte sofort wieder und markiere den Stiel mit einem Band, damit du die Frucht für die Saatgutgewinnung wiedererkennst.

Fruchtreife, Samenernte und Trocknung
Für Saatgut lässt du die markierte Frucht voll ausreifen. Die Master Gardener der University of California empfehlen, den reifen Kürbis nach der Ernte noch etwa drei Wochen zu lagern, bevor du ihn öffnest; in dieser Zeit reifen die Samen nach. Dann schneidest du die Frucht auf, löst die Samen heraus und wäschst das Fruchtfleisch in einem Sieb unter Wasser ab. Wähle große, pralle Samen aus und lass sie auf Papier an einem luftigen, nicht zu heißen Ort etwa zwei Wochen trocknen, bis sie vollständig hart sind.
Keimfähigkeit
Trocken, kühl und dunkel gelagert, bleiben Kürbissamen laut ARCHE NOAH etwa vier bis sechs Jahre keimfähig. Bei älterem Saatgut lohnt ein Keimtest auf feuchtem Küchenpapier: Kürbisse keimen nach sechs bis acht Tagen, und mehr als 70 Prozent gekeimte Samen sind ein gutes Ergebnis.
Sicherheitshinweis: bittere Kürbisse nicht essen
Gerade bei Saatgut aus eigener Ernte kann es vorkommen, dass ein Nachkomme wieder Bitterstoffe bildet, etwa nach einer Kreuzung mit Zierkürbissen. Das Bundeszentrum für Ernährung rät, vor dem Kochen ein kleines Stück roh zu probieren. Schmeckt es bitter, spuck es aus und entsorge den Kürbis. Kochen oder Backen zerstört die Bitterstoffe nicht.
In der Küche
Die Schale von 'Uchiki Kuri' wird beim Garen weich, deshalb musst du ihn nicht schälen. Das spart Arbeit und gibt Suppen und Ofengemüse eine kräftige Farbe. Das Fruchtfleisch ist fest und nussig; der japanische Name mit der „süßen Kastanie“ trifft es gut.
Der Genuss-Tipp von unserer Tüte ist eine Hokkaido-Suppe: Einen Kürbis mit Schale würfeln, mit einer Zwiebel und einem Stück Ingwer in Öl anschwitzen. Mit 800 ml Gemüsebrühe aufgießen, 20 Minuten köcheln und fein pürieren. Zum Schluss mit einem Schuss Kokosmilch, Salz und Pfeffer abschmecken.

Außerdem eignet sich der Kürbis für Ofengemüse, Kürbisbrot oder als Püree. Die Kerne der Speisefrüchte kannst du waschen, trocknen und mit etwas Öl und Salz im Ofen rösten.
Häufige Fragen zu Hokkaido-Kürbis 'Uchiki Kuri'
Wie viele Hokkaido-Kürbisse wachsen an einer Pflanze?
Das hängt stark von Boden, Wasser, Sommerwetter und Abstand ab, eine feste Zahl gibt es nicht. Zur Orientierung: Im Erwerbsversuch der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern ergaben sich bei 1,5 × 1 m Abstand umgerechnet etwa drei bis vier verkaufsfähige Früchte je Pflanze, jeweils um 1 kg schwer.
Kann man die Kerne vom Hokkaido-Kürbis einpflanzen?
Ja, sie keimen in der Regel. Ob daraus wieder ein Hokkaido wird, hängt davon ab, ob es eine samenfeste Sorte ist und womit die Blüte bestäubt wurde. Bei gekauften Kürbissen weißt du beides meist nicht. Für sortenechtes Saatgut nimmst du eine samenfeste Sorte wie 'Uchiki Kuri' und bestäubst von Hand.
Was mache ich mit den Kürbiskernen aus dem Hokkaido?
Du kannst sie rösten oder, aus einer handbestäubten Frucht, als Saatgut für das nächste Jahr trocknen. Für Saatgut wäschst du sie ab, trocknest sie etwa zwei Wochen und bewahrst sie kühl, trocken und dunkel auf.
Was darf man nicht neben Kürbis pflanzen?
Wenn du Saatgut gewinnen willst, sollten keine anderen Sorten von Cucurbita maxima gleichzeitig in der Nähe blühen, etwa der Laternenkürbis 'Sankt Martin' oder Turbankürbisse; sonst hilft nur die Handbestäubung. Unabhängig davon braucht der Kürbis viel Platz und Licht und sollte nicht von hohen Nachbarn beschattet werden.
Muss man Hokkaido schälen?
Nein. Die Schale wird beim Kochen weich und kann mitgegessen werden. Wasch den Kürbis vorher gründlich und entferne nur Stielansatz und harte Stellen.
Den Bio-Hokkaido-Kürbis 'Uchiki Kuri' gibt es bei uns als samenfestes Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte ist neu in unserem Sortiment 2027 und in Kürze lieferbar. Weitere Sorten findest du unter samenfestes Bio-Saatgut, alle Porträts dieser Reihe im Sortenlexikon.
Quellen
- Wikipedia (en): Cucurbita maxima
- Wikipedia (en): Cucurbita
- Janick, J.; Paris, H. S. (2006): The Cucurbit Images (1515–1518) of the Villa Farnesina, Rome. Annals of Botany 97, 165–176
- Wikipedia (ja): カボチャ (Kürbis)
- Wikipedia (ja): 打木赤皮甘栗かぼちゃ (Utsugi akagawa amaguri kabocha)
- Kaga-Gemüse Kanazawa: 打木赤皮甘栗かぼちゃ
- Japanischer Verband für traditionelles Gemüse: Utsugi akagawa amaguri kabocha
- Wikipedia (en): Red kuri squash
- Wikipedia (de): Hokkaidokürbis
- Hirthe, G.; Heinze, C.: Auswirkung unterschiedlicher Standweiten auf den Ertrag von Hokkaido-Kürbis im Ökologischen Anbau. Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern
- ARCHE NOAH: Leitfaden für ErhalterInnen (2018)
- Community Seed Network: Hand-Pollination: Squash
- UC Cooperative Extension Master Gardener: Hand Pollinating Squash Plants
- UC Master Gardeners Santa Clara County: Saving Seeds of Popular Plants
- Bundeszentrum für Ernährung: Bittere Kürbisse und Zucchini nicht essen (15.10.2025)