Dichter Horst grobröhriger Schnittlauch im Tontopf auf einer winterlichen Fensterbank

Schnittlauch überwintern und treiben: Sortenporträt 'Grober Röhricht'

Mark Breyer

Schnittlauch 'Grober Röhricht' ist ein samenfester, grobröhriger Schnittlauch mit dicken, dunkelgrünen und standfesten Halmen und feiner Zwiebelschärfe. Er ist mehrjährig und winterhart: Im Garten zieht er im Winter ein und treibt im Frühjahr wieder aus. Wer ihn richtig überwintert, kann ihn außerdem auf der Fensterbank antreiben und mitten im Winter frisch ernten.

Merkmal Schnittlauch 'Grober Röhricht'
Botanischer Name Allium schoenoprasum
Art/Familie Schnittlauch, Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae), Unterfamilie Lauchgewächse
Lebenszyklus mehrjährig und winterhart
Aussaat Februar bis April im Haus, April bis August im Freiland
Ernte Mai bis November
Standort sonnig bis halbschattig
Abstand 20 cm zwischen den Reihen, 15 cm in der Reihe
Saattiefe nur schwach mit Erde bedecken
Wuchshöhe ca. 30–50 cm
Samenfest ja
Bio aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006)

Schnittlauch gilt als das unkomplizierteste Küchenkraut überhaupt, und meistens stimmt das. Spannend wird er im Herbst und Winter. Dann zeigt sich, warum ein Horst im Beet über viele Jahre hält und wie du ihn mit einem kleinen Kältetrick dazu bringst, in der warmen Küche einen zweiten Frühling zu erleben.

Herkunft: ein Lauch aus Gebirge und Flussauen

Schnittlauch (Allium schoenoprasum) gehört zur Gattung Lauch und ist damit eng verwandt mit Zwiebel, Porree und Knoblauch. Botanisch zählt man ihn heute zu den Amaryllisgewächsen, früher zu den Liliengewächsen. Laut Wikipedia ist er eine ausdauernde krautige Pflanze mit kleinen, dünnhäutigen Zwiebeln von einem halben bis einem Zentimeter Durchmesser. Weil er sich unterirdisch über Tochterzwiebeln vermehrt, wächst er in dichten, vielblättrigen Horsten. Seine Blätter sind rund und hohl, die typischen Röhren.

Der Name beschreibt genau das: Er setzt sich aus den griechischen Wörtern schoinos für Binse und prason für Lauch zusammen, also „Binsenlauch“. Auch im mittelalterlichen Englisch hieß er „rush leek“.

Ungewöhnlich ist seine Verbreitung. Wild wächst Schnittlauch auf der ganzen Nordhalbkugel, in den Gebirgen des gemäßigten, borealen und subarktischen Eurasiens ebenso wie in Nordamerika. Die englische Wikipedia nennt ihn die einzige Lauchart, die sowohl in der Alten als auch in der Neuen Welt heimisch ist. Genetische Untersuchungen unterscheiden eine europäische, eine asiatisch-sibirische und eine iranisch-kaukasische Gruppe; nach Nordamerika gelangte er vermutlich über die einstige Landbrücke Beringia. In Mitteleuropa findet man ihn wild an quellnassen Hängen und berieselten Felsen der Hochlagen. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt beschreibt, dass er an gelegentlich überschwemmten Flussufern nicht selten in Massen vorkommt. Diese Herkunft erklärt viel: Kälte, Frost und Nässe ist er seit jeher gewohnt.

Vom Flussufer in den Bauerngarten

Anders als Zwiebel und Knoblauch, die schon im alten Ägypten Volksnahrungsmittel waren, kam Schnittlauch spät in Kultur. Wikipedia und der VEN datieren den Anbau in Europa auf das Mittelalter. In der Landgüterverordnung Karls des Großen, dem „Capitulare de villis“, wird die Pflanze britlas heute als Schnittlauch gedeutet. Von den Kloster- und Gutsgärten wanderte er in die Bauerngärten, wo er bis heute an keinem Beetrand fehlt.

Blühender Schnittlauch als Beeteinfassung an einem Kiesweg im alten Bauerngarten
Früher wurde Schnittlauch meist als Beeteinfassung gezogen, so beschreibt es auch Vilmorin-Andrieux.

Wie man ihn früher zog, beschreibt der französische Saatgutklassiker von Vilmorin-Andrieux: Schnittlauch wurde meist als Beeteinfassung gepflanzt, weil er dort besser gedeihe als im Beet, und alle zwei bis drei Jahre aufgenommen und neu gesetzt, um die Horste zu verjüngen. Bemerkenswert ist ein Satz, der heute überrascht: Schnittlauch werde „stets durch Teilung vermehrt“, seine Blüten seien meist unfruchtbar. Der schwedische Botaniker Anders Jahan Retzius berichtete 1806, dass Bauern ihn zwischen die Steine ihrer Beeteinfassungen setzten und zu Pfannkuchen, Suppen, Fisch und Butterbrot aßen.

Die Sorte 'Grober Röhricht': dicke Röhren für Küche und Topf

Schnittlauchsorten unterscheiden sich vor allem in Wuchshöhe und Blattdicke. Im Erwerbsanbau ist laut dem Gartenbau-Wiki Hortipendium die wichtigste Frage, ob eine Sorte fein- oder grobröhrig ist. 'Grober Röhricht' trägt die Antwort schon im Namen: Sie gehört zum grobröhrigen Typ mit kräftigen, straffen Halmen, die nicht so schnell umfallen und sich gut schneiden lassen.

Gebündelter Schnittlauch 'Grober Röhricht' mit violetten Blüten auf einem Holzbrett
'Grober Röhricht' bildet dicke, straffe Röhren; die violetten Blütenköpfe sind essbar.

Wer die Sorte gezüchtet hat und seit wann es sie gibt, ist nicht eindeutig überliefert. Einen Züchter, ein Jahr oder eine Region konnten wir nicht belegen. Gesichert ist, wofür sie steht: schnell wachsende, dunkelgrüne Halme, Standfestigkeit und ein herzhafter Geschmack mit feiner Zwiebelnote.

Schnittlauch anbauen Schritt für Schritt

Aussaat und Vorkultur

Laut Tüte ziehst du 'Grober Röhricht' von Februar bis April im Haus vor oder säst ihn von April bis August direkt ins Freiland. Bedecke die Samen nur schwach mit Erde und halte Saat und Jungpflanzen gleichmäßig feucht. Schnittlauch keimt nach Hortipendium am besten bei 15 bis 20 °C; bei 20 °C erscheinen die ersten Spitzen nach etwa sieben bis zehn Tagen. Die feinen Keimlinge sehen anfangs aus wie Gras. Bei der Vorkultur säst du am besten mehrere Samen in einen Topf, so entsteht von Anfang an ein kleiner Horst.

Pflanzung und Pflege

Ins Beet kommen die Pflanzen mit 20 cm Abstand zwischen den Reihen und 15 cm in der Reihe. Schnittlauch ist anspruchslos, wächst auf normalem Gartenboden an einem sonnigen bis halbschattigen Platz und hat einen mittleren bis hohen Nährstoffbedarf; etwas reifer Kompost im Frühjahr ist ihm recht. Im Topf braucht er gleichmäßige Feuchtigkeit, aber keine Staunässe. Alle paar Jahre lohnt es sich, große Horste zu teilen, wie schon Vilmorin empfahl. Wie du Kräuter auf kleinem Raum ziehst, liest du in unserem Beitrag Gemüse auf dem Balkon anbauen.

Ernte

Geerntet wird von Mai bis November. Schneide laut Tüte immer nur etwa zwei Drittel der Pflanze ab, dann bleibt genug Kraft für neue Halme. Schneide nicht ganz knapp über dem Boden, sondern lass ein paar Zentimeter stehen. Je regelmäßiger du schneidest, desto mehr junge Halme bildet der Horst. Lässt du einen Teil blühen, besuchen Bienen und Hummeln die violetten Blütenköpfe.

Schnittlauch überwintern

Im Beet musst du für den Winter nichts tun. Schnittlauch zieht in kalten Regionen bis auf die kleinen Zwiebeln ein und treibt im zeitigen Frühjahr wieder aus. Die Ruhephase gehört zu seinem Rhythmus: Ein Horst, der im Winter einmal durchgefroren ist, startet im Frühjahr kräftig. Im Topf überwintert er am besten draußen an einer geschützten Stelle. Stell den Topf auf Holz oder Styropor, damit der Wurzelballen nicht im Wasser steht, und gieß an frostfreien Tagen gelegentlich, damit er nicht ganz austrocknet.

Schnittlauch im Winter treiben

Genau diese Winterruhe kannst du für eine frische Ernte auf der Fensterbank nutzen. Die Initiative „Natur im Garten“ beschreibt das Vorgehen so:

  1. Ausgraben: Schneide den Schnittlauch bei der letzten Ernte im Herbst einige Zentimeter über dem Boden ab und grab eine kräftige Pflanze mit möglichst vollständigem Wurzelballen aus.
  2. Frostreiz: Lagere den Ballen an einer trockenen, luftigen Stelle im Freien, bis er einmal richtig durchgefroren ist. Der Kältereiz beendet die Winterruhe.
  3. Eintopfen: Teile den Ballen und topfe die Stücke nach und nach in eine Mischung aus Erde und Sand. So kannst du über den Winter mehrmals nachlegen.
  4. Antreiben: Stell die Töpfe bei Zimmertemperatur an ein helles Fenster und halte die Erde leicht feucht. Die Wärme wirkt auf die Pflanze wie der Frühling, und bald erscheinen neue Halme.
  5. Zurück ins Beet: Den übrigen Teil des Ballens pflanzt du wieder im Garten aus.
Ausgegrabener Wurzelballen Schnittlauch auf bereiftem Herbstbeet neben einer Grabgabel
Erst ausgraben, dann einmal durchfrieren lassen: Der Kältereiz beendet die Winterruhe.

Im Gartenbau ist das Treiben ein eigenes Verfahren. Hortipendium beschreibt, dass die Ballen heute bei −4 bis −8 °C gelagert und danach im Gewächshaus bei etwa 20 °C und vollem Licht angetrieben werden; früher nutzte man dafür Wärme- oder Warmwasserbehandlungen. Auf der Fensterbank geht es langsamer, weil im Winter das Licht fehlt. Rechne bei getriebenen Töpfen mit einigen Schnitten und nicht mit einer Dauerernte; deshalb lohnt es sich, nach und nach neue Stücke einzutopfen.

Saatgut selbst gewinnen

Weil 'Grober Röhricht' samenfest ist, wachsen aus deinen eigenen Samen wieder Pflanzen mit denselben Eigenschaften, sofern sie sich nicht mit einer anderen Schnittlauchsorte verkreuzt haben. Was samenfest genau bedeutet, erklären wir im Beitrag Was bedeutet samenfest?.

Blüte: Schnittlauch blüht je nach Standort von Mai bis August mit kugeligen Scheindolden aus 30 bis 50 kleinen, violetten Einzelblüten. Für Saatgut lässt du einige kräftige Horste ungeschnitten blühen.

Bestäubung und Verkreuzung: Die zwittrigen Blüten werden von Insekten besucht und bestäubt, vor allem von Bienen und Hummeln. Wie viel Selbstbestäubung im Spiel ist, beschreiben die Quellen unterschiedlich: Der VEN und Hortipendium halten sie beim Schnittlauch für die Regel, andere Saatgutanleitungen behandeln ihn wie andere Lauche als Pflanze, die sich über Insekten mit Nachbarn verkreuzt. Für die Praxis heißt das: Verschiedene Schnittlauchsorten können sich miteinander verkreuzen, Zwiebel, Porree oder Knoblauch dagegen nicht, denn das sind andere Arten. Die Bildungsinitiative Learn Seed Saving nennt einen Abstand von 250 bis 800 Metern zwischen Sorten und für den Sortenerhalt 20 bis 50 Pflanzen. Im Hausgarten lässt du deshalb im selben Jahr nur eine Schnittlauchsorte blühen und erntest von mehreren Horsten statt von einem einzigen.

Ernte und Trocknung: Die Samen reifen im Sommer in kleinen, dreifächerigen Kapseln. Reif sind sie, wenn die Blütenköpfe strohig werden und sich die Kapseln öffnen, sodass die schwarzen Samen sichtbar werden. Schneide die Köpfe dann ab, bevor die Samen ausfallen, und lass sie in einer Papiertüte oder über einem Tuch an einem luftigen, trockenen Ort nachtrocknen. Danach reibst du die Samen aus und trennst sie von den trockenen Hüllen. Das Saatgut ist zur Aussaat bestimmt und nicht zum Verzehr.

Keimfähigkeit: Lauchsamen sind kurzlebig. Der VEN gibt für die Gattung nur ein bis zwei Jahre Keimfähigkeit an, andere Quellen etwa drei Jahre bei guter Lagerung. Bewahre das Saatgut trocken, kühl und dunkel auf, beschrifte die Tüte mit Sorte und Erntejahr und mach bei älteren Samen vor der Aussaat eine Keimprobe: zehn Samen auf feuchtes Küchenpapier, abdecken, warm stellen und nach zwei Wochen zählen.

In der Küche

Unser Genuss-Tipp von der Tüte beginnt mit einer Warnung: Schnittlauch verliert durch Hitze fast sein gesamtes Aroma. Hacke die Röhren deshalb frisch und gib sie erst direkt vor dem Servieren über Suppen, Kartoffeln oder Kräuterquark, oder ganz klassisch aufs Butterbrot mit einer Prise Meersalz. Die dicken Röhren von 'Grober Röhricht' lassen sich gut in feine Ringe schneiden; nimm dafür ein scharfes Messer oder eine Schere, damit die Halme nicht zerquetscht werden.

Butterbrot mit frisch geschnittenem Schnittlauch und Meersalz neben einer Schale Kräuterquark
Genuss-Tipp von der Tüte: Schnittlauch frisch aufs Butterbrot, mit einer Prise Meersalz.

Quark mit Schnittlauch gehört in Deutschland und Polen zu den Klassikern. In der französischen Küche zählt Schnittlauch zu den fines herbes, zusammen mit Estragon, Kerbel und Petersilie, und in Schweden gehört er in die Sauerrahmsauce zum Mittsommerhering. Auch die Blüten sind essbar: In einzelne Blütchen gezupft, geben sie einem Salat Farbe und eine milde Lauchnote. Wenn du mehr erntest, als du brauchst, kannst du Schnittlauch fein geschnitten einfrieren; das Aroma bleibt so besser erhalten als beim Trocknen.

Häufige Fragen zu Schnittlauch 'Grober Röhricht'

Kann Schnittlauch im Winter draußen bleiben?

Ja. Schnittlauch ist winterhart und zieht im Winter bis auf die Zwiebeln ein. Im Beet braucht er keinen Schutz. Töpfe stellst du geschützt auf eine isolierende Unterlage und achtest darauf, dass der Ballen weder austrocknet noch im Wasser steht.

Wie bekomme ich im Winter frischen Schnittlauch?

Grab im Herbst einen kräftigen Horst aus, lass ihn draußen einmal durchfrieren und topfe dann Teilstücke in Erde mit etwas Sand. An einem hellen Fenster bei Zimmertemperatur treiben sie bald neue Halme. Alternativ kannst du ab Februar im Haus aussäen.

Kann man Schnittlauch nach der Blüte noch essen?

Ja, die Blätter bleiben essbar. Die Blütenstängel selbst sind allerdings hart und schmecken weniger gut. Schneidest du verblühte Horste kräftig zurück, treiben sie frische, zarte Halme nach. Die Blüten selbst kannst du ebenfalls essen.

Wie oft kann man Schnittlauch schneiden?

Von Mai bis November so oft, wie du ihn brauchst. Wichtig ist, jeweils nur etwa zwei Drittel der Pflanze abzuschneiden und ein paar Zentimeter stehen zu lassen. Regelmäßiger Schnitt fördert neue Halme.

Wann sät man Schnittlauch aus?

Laut Tüte von Februar bis April im Haus und von April bis August direkt ins Freiland. Die Samen nur schwach mit Erde bedecken und gleichmäßig feucht halten. Weil die Samen kurzlebig sind, verwendest du am besten frisches Saatgut.

Schnittlauch 'Grober Röhricht' bei BioGlück

Du findest Schnittlauch 'Grober Röhricht' als Bio-Saatgut aus kontrolliert ökologischer Erzeugung (DE-ÖKO-006); BioGlück ist als Händler unter DE-ÖKO-007 kontrolliert. Tüte und Keimschutzbeutel sind aus Graspapier. Die Sorte steckt auch im Kräutergarten-Set mit Basilikum und Petersilie, im Set Balkon & Fensterbank und im Komplettset „Unsere Besten“ mit allen zehn Sorten unseres Stammsortiments. Alle weiteren Sorten findest du in unserer Kategorie samenfestes Bio-Saatgut, und einen Überblick über alle Porträts gibt das Sortenlexikon.

Quellen

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